Dreizehn Menschen werden auf diesen zwei CDs porträtiert, dreizehn Menschen, die in einem Hospiz die letzte Station ihres Lebens gefunden haben. Alle wissen um ihr bevorstehendes Ende, einige wehren sich, einige hoffen noch.

Noch mal leben vor dem Tod, so haben die Journalistin Beate Lakotta, 1965 geboren, und der Fotograf Walter Schels, geboren 1936, ihre Edition überschrieben (Noch mal leben vor dem Tod. Wenn Menschen sterben - gelesen von Beate Lakotta und Matthias Brandt - tacheles/Roof Music, 2 CDs, 155 Min., 24,90 e). Mit Tonband und Kamera haben sie über Wochen in drei Hospizen in Berlin und Hamburg die Menschen begleitet, sie fanden offene Aufnahme. Im Hospiz herrscht keine Grabesruhe, Hospize sind Lebensorte für Sterbende: Wir waren beeindruckt davon, wie tapfer viele Menschen in dieser Situation sind.

Gelungen sind hier - auf eine vielleicht wunderbare Weise - dreizehn Porträts, die das Sterben ins Leben holen. Keine falsche dokumentarische Nähe durch Originaltöne, kein Flüstern will Pietät erzeugen. Nicht ohne Vorsicht, doch beherzt und in mittlerer Tonlage lesen Beate Lakotta und Matthias Brandt. Rückblicke auf das gelebte Leben und Beobachtungen des gegenwärtigen Sterbens verschmelzen zu Epitaphen, auf denen Träume und Wünsche, Erlebnisse und alltägliche Begebenheiten ihren Platz finden: Wir waren ja immer in den Koffern. Die Reisen waren das schönste. Was man beim Hören dieser Texte erleben kann: wie manchmal in der Sprunghaftigkeit des Gesprächs alles doch sich ordnet, wie einfache Sätze zu ihrer Größe finden: Ich genieße jeden Tag, an dem ich noch da bin.

Die Fotografien von Walter Schels zeigen die Porträtierten doppelt: kurze Zeit vor ihrem Tod und als Verstorbene. Bilder aus der Nähe, Bilder der Ruhe und Erlösung. Selbst im dünnen quadratischen Beiheft entfalten sie ihre Wirkung. Inmitten der Auflösung althergebrachter Formen und Rituale, der unsicheren, bisweilen hilflosen Versuche, neuen Umgang mit dem Sterben zu finden, erscheint dieses Hörbuch wie ein Plädoyer gegen die Tabugrenzen, die wir heute ziehen. Es ist, ihrer Befangenheit bewusst, eine Expedition in einen gemiedenen Bereich. Frau Pachollek schaut auf den Supermarkt vor ihrem Fenster. Die Kunden strömen ein und aus, sie sagt: Als würden die ewig leben.