Sanssouci, schöner Name, berühmter Name. Das Schloss ohne Sorge. Aber was heißt das? Die Fontäne rauscht, und Blätter sprühen im Licht. Warm und gelb leuchtet das Schloss auf seinem Weinberg. Über die erhitzten Terrassen wandert das Rautenmuster gusseiserner Laubengänge. Nie wurde schweres Material in etwas Leichteres verwandelt, Gitter, Säulen, Kapitelle, ein ganzer Pavillon aus Eisen. Selbst die Palmen des Südens könnten kein zarteres Dach bilden für den römischen Knaben, der dort in seiner dunklen Bronzehaut mit erhobenen Händen die Sonne anbetet. Das ist es, was man Sanssouci nennt. "Quand je serai là, je serai sans souci", hat Friedrich der Große gesagt, als er einem Besucher sein künftiges Grab neben dem Schloss zeigte. "Wenn ich dort bin, werde ich ohne Sorgen sein."

Und in der Tiefe breitet der gewaltige Park sich noch heute wie ein kühles Tal bis zu den fernen, menschenfeindlichen Höhen der Plattenbauten unserer Gegenwart. Schwarzgrün dunkelt ein See unter mächtigen Bäumen. Hunde schlafen unter Bänken. Ein zweites winziges Schlösschen versteckt sich in einer Lichtung. Dagegen gleich am Hauptweg, unübersehbar, unverschämt der vergoldete Chinese mit dem Sonnenschirm, für das Rokoko ein Inbegriff des frechen Glücks. Er strahlt von seinem Teehaus herab, weil er die Erfrischungen wahrscheinlich gratis bekommt, für die der Tourist zahlen muss.

Das ist Sanssouci. Schon der Name ein Versprechen von Trost. Schatten fürs Auge, Licht für die Seele. Und durch das elegante Missverständnis, das der Klang des Französischen im Deutschen immer auslöst, ist es auch eine Verheißung von Anmut, Leichtigkeit und Esprit. Man wird mich verlachen und schlagen, aber ich versichere: Die Verheißung wird erfüllt. Der Zauber hat nur eine Bedingung. Es muss Sommer sein.

Es muss ein früher Sommermorgen sein, es muss der Tau aus dutzend Rasensprengern auf dem Gras glitzern, es muss der Kies unter der Gärtnerharke knirschen, und von der fernen Stadt muss gedämpfter Verkehrslärm herüberdrängen und das ungedämpfte Kreischen eines Winkelschleifers, der sich durch Beton frisst. Dann kennen wir die Sorgen und sehen den Zauber, der uns von ihnen erlöst. Dann wird, im rosafarbenen Morgenlicht, auch die Orangerie, die ein späterer König auf einen anderen Hügel baute, nicht nur aussehen wie eine italienische Renaissance-Villa. Sie wird tatsächlich eine italienische Villa sein und hinter ihr, gleich hinter der Loggia zwischen den Türmchen, beginnt der Comer See.

Es ist natürlich nur die Havel. Dazwischen liegen noch eine Straße, ein weiterer Park und andere, nicht immer gelungene Schlösser, darunter der Cäcilienhof, in dem Churchill und Stalin mit der Teilung Deutschlands ihren Sieg vollendeten. Aber dann kommt die Havel doch, sie ist breit wie ein See, auf der anderen Seite geht es immer noch weiter mit Park und Schlösschen, das Ganze ist ein Gesamtkunstwerk mit klug berechneten Blickachsen und Symmetrien, und wenn man in Sanssouci auf dem Pfingstberg steht, sieht man gegenüber im Glienicker Park noch einmal eine verkleinerte Orangerie, und wenn man sich in der Glienicker Loggia vom märkischen Zephyr umfächeln lässt (mit dem Geruch von Kiefernharz und nassem Sand), dann sieht man wiederum den Campanile eines Kirchleins, das zu den Gärten von Sanssouci gehört.

Man würde noch viel mehr sehen, über die Havel mit ihren weißen Segeln hinweg, wenn nicht der Sozialismus sein mürrisches Gesicht werktätiger Ehrlichkeit dazwischengeschoben hätte. Er führte seinen Kampf nicht nur gegen den lebenden Klassenfeind, sondern auch gegen den toten, und das mit weitaus besserem Erfolg. Die unbeherrschbare Italien- und Frankreich-Sehnsucht der preußischen Könige, die sich in der Schlösser- und Gartenlandschaft von Potsdam ein Denkmal gesetzt hat, erwies sich als etwas, vielleicht das Einzige, das der Sozialismus gut beherrschen konnte.