Nein, ich bin kein Naturfreak", sagt Alexander Egit: "Nur die Wale gehen mir nahe." Der 43-jährige Umweltaktivist trägt eine randlose Brille, blassblondes Haar und eine praktische Fleece-Jacke. Im Sitzen ist ihm seine wuchtige 1,90-Meter-Statur nicht anzumerken. Nur die Kuchengabel, mit der er in seinem Apfelstrudel stochert, wirkt zu klein für seine Hand. Doch wenn sich der Hüne erhebt, verwundert es nicht, dass er mit Vögeln und anderem Getier nichts anzufangen weiß: Es hat einfach die falsche Dimension. Egit braucht Größeres.

Zeit für die Beobachtung von Walen, wie unlängst in Neuseeland, hat Egit nur selten. Denn zumeist kämpft er mit einem Drachen, der gern mal Gift und Galle speit: Egit arbeitet am Aufbau einer Dependance der Umweltschutzorganisation Greenpeace in China, dem kommunistischen Giganten, der mitten in der industriellen Revolution steckt.

Kompromisslos gegen sich selbst – aber mit Schutzmaske

Die Umweltverschmutzung im Reich der Mitte hat enorme Ausmaße angenommen: Kaum ein Monat vergeht ohne Chemieunfälle, die ganze Flüsse in Giftbrühen verwandeln und das Trinkwasser für Millionen von Menschen verseuchen. Die Luft in chinesischen Städten ist kaum noch zu atmen – je nach Untersuchung liegen sieben bis neun der zehn meistverschmutzten Städte der Welt in China.

Wenn Egit in Peking aus dem Flugzeug steigt, legt er wie viele andere auch eine Atemschutzmaske an. Dann sehen die Chinesen nur noch die schmalen blauen Augen im Gesicht des weißen Riesen, der sich seinen Weg ins Greenpeace-Büro im Finanzviertel der Metropole bahnt.

"Leben könnte ich in Peking nicht, drei Monate im Jahr sind genug", sagt der Vielflieger. Den Kampf gegen Chinas Umweltverschmutzer hat er vor drei Jahren vom demokratischen Hongkong aus aufgenommen, wo Greenpeace schon seit 1997 vertreten ist. Neben dem Büro in Peking gibt es auch eines in Guangzhou, und Egit hat eine kleine Streitmacht von 70 chinesischen Mitarbeitern rekrutiert und ausgebildet, die sich in die Kampagnen stürzen: "Jeder einzelne ist durch mein Training gegangen."