Waffe runter! Polizei!" Wenn der Mann nicht reagiert, darf Jana Pollner abdrücken. Sollte sie auch, sonst schießt der andere noch zuerst. "Waffe weg!", ruft sie wieder. 22 Jahre ist sie alt, und bis jetzt war sie immer schneller als die Kriminellen. "Mich hat noch keiner abgeknallt", sagt sie. Wirklich schlimm wäre das aber auch nicht: Der Mann mit der Pistole bedroht sie nur von der Leinwand aus. "Schießkino" heißt das bei den Polizeischülern. Eine interaktive Übung, bei der Jana ihre Reaktionen testet und lernt, mit gefährlichen Situationen umzugehen.

Nicht immer ist die Ausbildung zur Polizistin so aufregend. Ein großer Teil der dreijährigen Ausbildung an der Polizeihochschule, die offiziell Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen heißt, erinnert eher an ein Jurastudium als an einen Actionfilm. Nur dass es für Jana Pollner praktische Gründe gibt, warum sie die Paragrafen in- und auswendig kennen muss: Wann darf sie einen Verdächtigen vernehmen? Wann festnehmen? Wann darf sie eine Wohnung durchsuchen? Bis zu ihrer Abschlussprüfung im Sommer muss sie das so genannte Eingriffsrecht beherrschen. Auch Sozial- und Kriminalwissenschaften sind Bestandteil des Lehrplans, selbst Psychologie kommt vor, denn ein Polizist sollte sich in den Täter hineinversetzen können. Klausuren, Anwesenheitspflicht, Hausaufgaben, Zwischenprüfungen – die Fachhochschule sei der Schule sehr ähnlich, sagt Jana. Zwischendurch muss sie immer wieder an das Polizeiausbildungsinstitut in Brühl, zum praktischen Teil: schießen lernen und Rhetorik zum Beispiel.

Die Kriminalbeamten bleiben länger im Dienst, es gibt weniger Stellen für den Nachwuchs

Die Ausbildung von Nachwuchspolizisten ist Ländersache. Doch die Unterschiede zwischen der Ausbildung in Bayern oder Sachsen beschränken sich hauptsächlich auf die Organisation des Studiums. Die Inhalte ähneln sich, und auch der Abschluss ist bundesweit derselbe. Zwei Herausforderungen warten daher auf jeden Polizeianwärter: viel Praxis und noch mehr Sport. Sprinten, joggen, schwimmen – Jana Pollner absolviert bei ihrer Ausbildung ein regelrechtes Fitnessprogramm und muss auch das Sportabzeichen meistern. "Früher habe ich Ballett gemacht, aber richtig sportlich war ich nicht", sagt sie. Bei ihrem Aufnahmetest hat sie den Sportteil trotzdem bestanden.

Denn wer Kriminalbeamter werden will, muss drei Tage voller Prüfungen überstehen. Am ersten Tag: Aufgaben, die logisches Denken testen sollen. Am zweiten Tag: Fitnesstest. Dazu gehört auch, dass man einen "von einer Prüfstelle bescheinigten" Sprung vom Dreimeterbrett vorweisen kann – denn Polizisten müssen schwindelfrei sein. "Doch die meisten Leute flogen bei dem Gesundheitstest raus", erinnert sich Jana an ihre Aufnahmeprüfung. Ein krummer Rücken oder ein Augenfehler kann Grund genug dafür sein. Das Aussieben hat einen einfachen Grund: Da Kriminalbeamte inzwischen länger im Dienst bleiben, werden immer weniger Stellen für die Bewerber frei. Nur 480 werden im nächsten Jahr in NRW angenommen, 2002 waren es noch doppelt so viele.

"Die richtige Mischung aus Action und Büroarbeit"

Wer die Aufnahmeprüfungen schafft, dem ist eine Anstellung sicher. Bereits an ihrem ersten Studientag war Jana offiziell Beamtin auf Widerruf und bekam ein Gehalt ausgezahlt. In NRW sind das etwa 850 Euro. Und mit ihrem Abschluss als Diplomverwaltungswirtin am 1. September hat sie automatisch einen festen Job als Kriminalkommissarin. "Das war natürlich auch ein Grund, warum ich mich für diese Ausbildung entschieden habe", sagt sie. "Das und die vielen Möglichkeiten." Jana könnte Hundeführerin werden oder Ermittlerin, sie könnte zu einem Spezialeinsatzkommando (SEK) gehen oder beim Bereitschaftsdienst Castor-Transporte begleiten. Während ihrer ersten Berufsjahre kann sie sich weiterbilden und spezialisieren.