Fürstenfeldbruck

Offenbar wollen die Kanzlerin und der Bundespräsident nun doch nicht kommen.

Sogar Bundesverteidigungsminister Franz Jung lässt sich entschuldigen, wenn Deutschlands Luftwaffe am 31. März in Fürstenfeldbruck, einer Kleinstadt westlich von München, ihren fünfzigsten Geburtstag feiert. Und Fackeln vor historischer Kulisse soll es nun auch nicht geben, bloß einen schlichten Zapfenstreich auf dem Festplatz hinter dem Rathaus. Wie schade! Dabei hatte der neue Kommandeur des Standorts, Generalmajor Thomas Gericke, seiner Kaserne vor dem Hintergrund der anstehenden Feierlichkeiten extra eine späte Entnazifizierung verordnet. Seit einigen Wochen tragen alle Wege des Fliegerhorsts den Einheitsnamen Straße der Luftwaffe, eine Maßnahme, die der Kommandeur mit einem zunächst rätselhaften Hinweis begründete: Straßenschilder dienen der Orientierung.

Was gemeint ist, erschließt sich freilich schnell, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie die Wege auf dem Gelände der Kaserne bis vor kurzem geheißen haben. Mehr als 30 Straßen waren noch zu Zeiten des ersten Luftwaffeninspekteurs Josef Kammhuber nach Fliegerhelden des Nazi-Reichsmarschalls Hermann Göring benannt worden, nach Ritterkreuzträgern wie Hans Joachim Marseille, Werner Mölders und Helmut Lent und nach den Generalen Emil Zenetti und Hermann Ritter von Mann, Edler von Tiechler.

Marseille starb unbesiegt den Fliegertod, rühmte ihn der Völkische Beobachter, als der damals 22-Jährige nach 158 Luftsiegen während der Schlacht von El Alamein starb. Mölders wiederum hatte als Jagdflieger der Legion Condor auf Seiten der Faschisten im spanischen Bürgerkrieg gekämpft und erreichte zu Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion den Höhepunkt seiner Karriere. Hitler verlieh ihm die höchste Tapferkeitsauszeichnung des NS-Reiches, das Ritterkreuz mit Brillanten. Lent galt mit über hundert Abschüssen als der erfolgreichste Nachtjäger und war darüber hinaus, wie Göring in einem Nachruf betonte, ein leidenschaftlicher Anhänger unserer nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Edle von Tiechler schließlich hatte als Kriegsrichter 1944 das Todesurteil gegen die polnische Widerstandskämpferin Krystina Wituska mit unterzeichnet.

Dies wurde ihm postum zum Verhängnis. Als im August vergangenen Jahres in Frankfurt (Oder) eine Gedenkveranstaltung für die polnische Heldin geplant war und eine Lokalzeitung Wind davon bekam, welche Helden da in Bayern geehrt werden, wurden die Gedenkschilder für Ritter von Mann und drei weitere Wehrmachtsoffiziere binnen weniger Stunden abgeschraubt. Der Handstreich zog einen empörten Kommentar in der NPD-Zeitung Deutsche Stimme nach sich.

Immerhin, es hätte schlimmer kommen können. Für die Helden der Legion Condor, deren Straßenschilder schon Monate zuvor entfernt worden waren, hatte sich sogar Horst Seehofer stark gemacht, der Landwirtschaftsminister, der damals noch einfacher CSU-Abgeordneter war.