Neofaschistische Spruchbänder und rassistisches Gegröle sind auch in den Fankurven italienischer Fußballstadien keine Seltenheit. "Fußball interessiert mich nicht", sagt Romagnoli. Tatsächlich wirkt er nicht wie ein Fanblock- Führer. Zu seiner Partei gehört aber auch Piero Puschiavo, der Gründer des Veneto Fronte Skinheads. Puschiavo hat in Verona durchaus das Stadion aufgemischt – die ultrarechten Fans des Fußballklubs Hellas pflegen beste Verbindungen zur deutschen Neonaziszene.

Das ist eine Welt, die Fürst Sforza Ruspoli noch nicht einmal aus der Zeitung kennt. Der 79-Jährige residiert auf der Beletage des barocken Palazzo Ruspoli in Rom, einen Steinwurf vom Parlament entfernt. Ein livrierter Diener öffnet und führt in einen Saal mit Freskendecke und Settecento-Gemälden. Nur sehr gedämpft dringt durch Seidentapeten und Samtvorhänge der Lärm der Straße herein, und selbstredend würde der Fürst, der nun im Nadelstreifenanzug und mit auf Hochglanz polierten Lackschuhen eintritt, niemals über die Lippen bringen, was seine Vorsitzende Alessandra Mussolini am Vorabend in einer Fernsehsendung einem transsexuellen Kandidaten der Rifondazione Comunista an den Kopf schleuderte: "Besser Faschistin als schwul!" Da deutet Sforza Ruspoli ein nachsichtiges Lächeln an und sagt sehr langsam und betont: "Ich bin kein Parteimitglied, sondern unabhängig." Immerhin führt er die Liste der Alternativa Sociale für den Senat.

Ruspoli möchte nicht über die Partei reden. Er versucht, das Thema auf die Banca del Sud zu lenken, die neue Kasse für Süditalien, an deren Gründung sich neben Finanzminister Giulio Tremonti auch Prinz Carlo von Bourbon versucht, dessen Geschlecht einst über Italiens Mezzogiorno herrschte. Der römische Fürst Ruspoli, als Vizepräsident des Geldinstituts ausersehen, sieht sich heute an der Seite der früheren Untertanen. Die Bauern des Südens müssten gestützt werden, anstatt immer neues Geld in die Großindustrie des Nordens zu pumpen, erklärt er. "Aus der Großindustrie sind die großen Schuldner geworden, die Milliarden von Steuergeldern fressen." Am liebsten würde Ruspoli die siechen Fiat-Werke schließen und Italien wieder zum Agrarland machen: "Die Nahrungsautonomie muss höchste Priorität der Europäer werden. Nur wenn wir uns selbst ernähren können, sind wir nicht mehr erpressbar." Sind das die Themen, die er mit Alessandra Mussolini diskutiert? Wieder ein nachsichtiges Lächeln, dann sagt Ruspoli leutselig: "Über Ökonomie reden wir nicht so oft."

Die größte Fotografie zeigt den Fürsten mit Papst Benedikt XVI.

Auf einen kleinen Zettel hat der Fürst die Namen derjenigen deutschen Politiker geschrieben, deren Bekanntschaft er gemacht hat. Als ihm gesagt wird, dass kein Einziger auf der Liste mit Neofaschisten paktieren würde, ist Ruspoli erstaunt. "Ihr Deutschen habt Angst vor der Mussolini? Wieso fürchtet ihr euch nicht vor den Chinesen?"

Wirtschaftspolitisch sei er ein Liberaler, erklärt der Fürst. "Und mit dem Faschismus habe ich nichts am Hut. Ich bin ein Anhänger der alten Tradition. Meine Familie hat immer treu zum Papst gestanden. Wir gehören zum schwarzen römischen Kirchenadel, der gegen die Zerschlagung des Kirchenstaates war." Verdienste, die auch ein Jahrhundert später noch gelten in Rom. Die größte Fotografie auf der in Silber gerahmten Familienbildern überladenen Konsole im Empfangszimmer zeigt den Fürsten mit Papst BenediktXVI. "Wissen Sie", sagt er, als er den Besuch höflich hinausbegleitet, "einer aus meinem Geschlecht kann einfach kein Linker werden." Es klingt fast entschuldigend. "Alessandra kannte ich als kleines Mädchen. Ihr Vater Romano war mein Banknachbar in der Schule."

Natürlich ist Fürst Ruspoli kein Faschist. Es ist ihm egal, auf welcher Liste er in den Senat kommt, um in seiner nicht allzu knapp bemessenen Freizeit ein wenig Politik nach Feudalherrenart zu machen. Leute wie Luca Romagnoli oder Mussolinis Kandidaten in der Lombardei, Pasquale Guaglianone, der wegen Verbindungen zum rechten Untergrund verurteilt ist, würden bei Ruspoli noch nicht einmal in den mit Sarkophagen aus der Kaiserzeit geschmückten Hinterhof kommen.