Am Montag nach Wahlen ist dem politischen Personal manchmal anzusehen, was hinter ihm liegt und was kommen soll: Einige Minister oder Abgeordnete sehen erschöpft aus, andere erleichtert - und wer etwas zu sagen hat, geht und redet ein bisschen schneller, weil plötzlich in wenigen Tagen viel zu entscheiden ist. An diesem Abend nach Wahlen in drei Bundesländern diskutieren die Fraktionen über die nächsten Reformen - vor allem über die Gesundheitsreform. Die zuständige Ministerin Ulla Schmidt ist auf dem Weg zur Kanzlerin, um ihre Ideen zu präsentieren. Einige Straßen weiter stellen zeitgleich niederländische Experten ihre Gesundheitsreform vor. Wieder einmal sind sie den Deutschen einen Schritt voraus.

Die Computer haben geraucht, und unsere Mitarbeiter haben in den ersten drei Monaten des Jahres 2,2 Millionen Anrufe von Versicherten beantwortet, sagt Mike Leers, Vorstandschef von CZ Actief in der Gezondheit, einer der größten Versicherungen des Landes.

Für viele Kassen haben sich die Arbeitsbedingungen radikal verändert, einige haben seit Anfang Januar zwanzig Prozent ihres Geschäfts verloren. Wir haben erwartet, dass ungefähr fünf Prozent der Versicherten die Kasse wechseln, tatsächlich waren es über zwanzig Prozent, sagt Geert Jan Hamilton, Direktor im niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport. Eine Million Niederländer orientierten sich neu. Den Referenten ist die Aufregung darüber anzusehen.

Das Publikum in der eigens mit Tulpensträußen geschmückten Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen fasziniert an diesem Abend anderes.

Den Niederländern scheint gelungen zu sein, was hierzulande bisher als nahezu unmöglich gilt: eine Gesundheitsreform, die den allermeisten Bürgern zu gefallen scheint.

In den Niederlanden trat Anfang des Jahres eine Reform in Kraft, die Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten abschaffte und damit an die Bürgerversicherung der SPD erinnert. Gleichzeitig wurde aber auch eine neue Gesundheitsprämie eingeführt, wie sie die CDU sich wünscht. In einem mehr als fünfzehn Jahre dauernden Reformprozess haben die Niederländer ein System geschaffen, das linke und rechte Ideen vereint: Alle Versicherungen haben seit Jahresanfang eine private Rechtsform, unterliegen aber einer starken staatlichen Regulierung.

Den Zahnarzt müssen die Niederländer selbst zahlen