Hurtig kommen die Hara-Brüder hinter dem Rezeptionstresen hervor. Brian im frisch gebügelten weißen Hemd, Wilson trägt ein rotes T-Shirt mit Nike-Aufdruck. "Willkommen im Cultural and Museum Centre Karonga", sagt Brian, der Ältere der beiden, ohne einen Gast anzusehen. "Wir werden Sie durch die Ausstellung führen." Beide Brüder scheinen den Boden zu mustern, als wären sie verlegen. Merkwürdig der Ausdruck ihrer Augen, der Blick geht ins Leere.

Sie seien beide blind, verraten sie. Von Geburt an. Woran das liegt, wissen sie nicht, nur dass das Handicap in der Familie häufig vorkomme: Der Vater ist blind und jeder ihrer Brüder.

Die Haras gehen quer über den Rasen hinter dem Gebäude und bleiben exakt vor einem steinernen Schlangenkopf stehen. "Die Schlange ist ein Symbol für unsere Geschichte", erklärt Wilson Hara. "Schlangen gab es schon, als die Dinosaurier lebten, und es gibt sie noch heute." Der Körper des Reptils aus Kieselsteinen windet sich über den Betonboden in die hohe Museumshalle, es geleitet den Besucher durch die Ausstellung From Dinosaurs to Democracy: vorbei am Skelett des Malawisaurus, an Hominidenschädeln, an Werkzeugen, Musikinstrumenten, Flaggen und Zeitungsausschnitten – 240 Millionen Jahre malawische Geschichte. Wilson gibt seinem Bruder das Wort, Brian übernimmt den Anfang der Führung. Sein Zeigefinger zielt exakt auf die Überschrift der ersten Informationstafel: "Die Geschichte des Cultural and Museum Centre Karonga".

Oliver Mwenifumbo erzählt die Geschichte so: "Wir haben die Wazungu, die Weißen, an der Tankstelle getroffen. Die waren auf der Suche nach Knochen und einer Unterkunft, das war 1982." Einer der weißen Knochensucher war der Paläontologe Friedemann Schrenk. Er kam Anfang der achtziger Jahre zum ersten Mal nach Malawi, um ein neues Grabungsgebiet zu erkunden. Jedes Jahr kehrte er zurück und traf Mwenifumbo und dessen Freunde Archibald Mwakasungula und Lawrence Mwalima wieder. Die drei mittlerweile älteren Herren – "Wir selbst sind Dinosaurier!" – haben die Sache mit dem Museum in Gang gebracht.

Sie erlebten mit, wie Schrenks Grabungstruppe zwei Hominiden entdeckte, wie die Überreste zur Erforschung nach Deutschland reisten und nach Malawi zurückkamen – allerdings in die Hauptstadt im Süden, nach Lilongwe. "Wir wollten sie hierher holen, wo sie gefunden wurden. Da hatten wir die Idee mit dem Museum", berichtet Mwenifumbo.

Im Jahr 2000 war das Geld dafür beisammen. Es stammte von der Europäischen Union und der Uraha-Stiftung, die Schrenk gegründet hatte. Die Bauarbeiten begannen. Vier Jahre später wurde das Gebäude mit dem Profil eines Dinosaurierrückens eröffnet. "Ein Museum – so etwas kannten die meisten Leute hier überhaupt nicht", sagt Schrenk. 200000 Menschen leben im Bezirk Karonga.

Dass die Vorfahren des Menschen aus Afrika kamen, steht auch in den malawischen Schulbüchern. Doch diese listen lediglich Südafrika, Tansania, Kenia und Äthiopien als Fundstätten auf. Dass nicht weit von Karonga entfernt der Paranthropus boisei und der Homo rudolfensis gefunden wurden, liest man dort nicht. Demokratisierung von Wissen und regionales Lernen seien deshalb die Ziele der Museumsmacher, sagt Schrenk. "Die Leute sollen das Wissen aus dem Museum mit ihrer Umgebung verbinden."

Brian und Wilson gehen stracks an Tafeln mit Erklärungen zur Erdgeschichte und zur Entstehung des Lebens vorbei. Weit hinten im langen Raum erhebt sich mächtig der Star der Ausstellung: Der Malawisaurus ragt bis unter die Decke. Den Weg zu ihm kennen die Haras gut; seit einem Jahr erklären sie Schülern, Regierungsangestellten, Dorfbewohnern und auch ein paar Touristen, worauf Paläontologen in Karonga gestoßen sind. 3000 Besucher haben die Museumsführer schon durch Malawis Geschichte gelotst.