Das Sondertribunal für Sierra Leone (SCSL), bei dem Elemente des internationalen und nationalen Strafrechts vereint werden, ist das erste "Hybridgericht" in der Geschichte. Derzeit wird gegen neun Angeklagte verhandelt.

Anders als der Internationale Strafgerichtshof ist das SCSL keine ständige Einrichtung. Und anders als die Kriegsverbrechertribunale für das frühere Jugoslawien (ICTY) und Ruanda (ICTR) ist es kein UN-Organ auf Grundlage einer Resolution des Sicherheitsrats, sondern beruht auf einer Vereinbarung zwischeUN und der Regierung von Sierra Leone. Von elf Richtern stammen zwei aus Sierra Leone, andere aus Kamerun, Österreich und Nordirland.

Das SCSL gilt bei Menschenrechtsexperten und Politikern als erfolgreichere Variante der internationalen Strafgerichtsbarkeit. Erstens wird im Land der Opfer und Täter verhandelt. Zweitens ist das Verfahren gestrafft – eine Lehre, die man aus dem langwierigen Prozess gegen Slobodan Milo∆eviƒ gezogen hat. Drittens muss das SCSL sein Budget bei Geberländern selbst einwerben und folglich sparsamer wirtschaften als das ICTY und das ICTR, die von den UN finanziert werden. Allerdings warnt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, das SCSL könne aufgrund von Geldmangel Aufgaben wie Zeugenschutz nicht ausreichend wahrnehmen.

Um Erfolg zu haben, braucht folglich auch die Mischform von internationaler und nationaler Justiz Unterstützung. Im Kosovo scheiterte die Idee an Geldmangel, in Ost-Timor am politischen Unwillen der Staatengemeinschaft, Indonesien zur Auslieferung der Hauptverantwortlichen des Massenmordens 1999 zu drängen.

Bloß ändert das nichts an der wachsenden Nachfrage: Libanon hat die UN um ein "Tribunal mit internationalem Charakter" gebeten, um die Mörder des Ex-Premiers Rafiq Hariri zur Rechenschaft zu ziehen.