Im Fall der Studentenbewegung wird die Autorin grobschlächtig. Das war für sie eine Veranstaltung der Frankfurter Schule, Maos und Dutschkes, die gemeinsam antraten, um "die erste Welt auf das Niveau der dritten Welt abzusenken". Über zahlreiche Personen streut Bettina Röhl Verdächtigungen ohne Belege aus. Die ehemaligen Bundespräsidenten Heinemann und Rau sehen sich wegen ihrer Herkunft aus der Gesamtdeutschen Volkspartei als "Bündnispartner" der SED/KPD angeprangert. Den Sozialwissenschaftler Wolfgang Kraushaar bezichtigt sie – ohne den Hauch eines Belegs –, "Kenntnis von einem geplanten Anschlag auf die Beerdigung" Ulrike Meinhofs zu haben.

Der Aufbau des Buches hält sich weitgehend an die Kapitelfolge der Erzählungen des Vaters, der zum Teil wörtlich wiederholt, was er 1974 geschrieben hatte. Ergänzt werden dessen Geschichten durch lange Zitate aus Interviews mit ihm, aber auch mit seinen damaligen Autoren, Mitarbeitern und Zeitgenossen. Der wichtigste Kronzeuge Bettina Röhls ist ihr Vater, den sie gleich zu Beginn des Buches "entweder als Kasperle, Märchenprinz, Bösewicht, Verführer, alte Hexe, ewiger Geliebter, zweiter Tucholsky oder als Genie durchs Leben" gehen sieht. Ein solcher Kronzeuge – der Germanist Reinhard Baumgart nannte ihn einen "Kotzbrocken" – ist für ein seriöses Buch eher eine Hypothek. Dem Charme der Schlusszeilen werden viele Leser, die bis dahin durchhalten, erliegen. Der Autorin "eigentliches Anliegen" ist nämlich die "soziale Frage", und der widmet sie das Buch.