Strategische Weitsicht«, »operatives Geschick« und »soziale Kompetenz« – als der Wiener Manager Gerhard Gamperl vor zweieinhalb Jahren von Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf an der Spree eingeführt wurde, war die Stadt voll des Lobes.

Nun landen die Vorschusslorbeeren auf dem Kompost. Er sei seinem Amt nicht gewachsen, habe dem Aufsichtsrat keine kompetenten Antworten gegeben und die Kernaufgaben nicht gelöst, behauptete Wolf vor wenigen Wochen.

Binnen zwei Jahren hatte der Wirtschaftssenator seine Meinung über den Österreicher komplett revidiert. Zuerst hoch gelobt, dann tief gefallen: Auch so kann es einem Manager gehen, der von außen kommt und dem der Rückhalt fehlt. Kurz vor Jahreswechsel posierte Gamperl noch mit anderen österreichischen Managern für ein Gruppenfoto vor dem Brandenburger Tor. Mit »Schmäh statt Schnauze« sei hier eine rot-weiß-rote Sanierertruppe angetreten, hieß es in der ZEIT (Nr. 2/06), die erfolgreich bei einigen wirtschaftlichen Problemfällen den Karren wieder aus dem Dreck ziehe. »Manchmal fühlt man sich wie ein Entwicklungshelfer«, sagte damals der Finanzexperte Günter Winter, der in der Trümmerbaustelle der CDU-Finanzen aufräumte.

Ein harter Besen, das war auch die Rolle, die auf Gerhard Gamperl wartete. PDS-Politiker Wolf hatte den Wiener nach Berlin geholt, um die Berliner Stadtreinigung (BSR), einen maroden 6000-Mann-Betrieb und das größte Unternehmen seiner Art in Europa, zu sanieren. Die Laufbahn des 45-jährigen Managers las sich beeindruckend: Gamperl hatte in Wien Kulturtechnik und Wasserwirtschaft sowie Betriebswirtschaft studiert, in Führungspositionen bei Energietechnik-Unternehmen gearbeitet und danach als Geschäftsführer die Wiener Stadtwerke Beteiligungsmanagement, eine Tochter der Wiener Stadtwerke, geleitet.

Es schien ein genialer Schachzug Wolfs zu sein, einen Fachmann von außen nach Berlin zu holen. Einen, der keine Rücksichten auf lokale Empfindsamkeiten und Besitzstände, auf Seilschaften und Netzwerke zu nehmen brauchte. Einen, den wucherndes Geflecht in kommunalen Betrieben und besonders in der Müllbranche nicht kümmern, sondern der das Unternehmen für den Wettbewerb präparieren sollte. Und vor allem einen, der sich bei den Preußen mit seiner Wiener Mentalität durchsetzen würde.

Es war wie ein Befreiungsschlag: endlich eine brisante Personalentscheidung ohne jeglichen parteipolitischen Hintergrund im rot-roten Sumpf der Berliner Stadtregierung. Gamperl wurde immerhin von einem PDS-Politiker engagiert, obwohl er selbst nie ein Hehl daraus gemacht hatte, dass er sich zu den »Schwarzen« zählt. Dass ein Kommunalpolitiker derart über seinen Schatten springen konnte, ließ hoffen.

Doch die Chemie zwischen den beiden Männern stimmte nicht. Wolf ließ den Fünfjahresvertrag platzen, der Aufsichtsrat sprach Gamperl die fristlose Kündigung aus. Berlin rätselt bis heute, was sich hinter der drastischen Maßnahme tatsächlich verbirgt. Die fristlose Kündigung kam etwas überraschend. Als hätte Gamperl silberne Löffel gestohlen oder großen Schaden angerichtet. Mit der Begründung für die spektakulärste aller Trennungsformen tat sich Wolf anfangs schwer. Er lieferte ein Bündel von unpräzisen, sehr allgemeinen Vorwürfen, aber keine handfeste Begründung. Die konnte er später auch den Berliner Abgeordneten nicht nachreichen, die in einer parlamentarischen Sondersitzung Aufklärung verlangten.