Er fährt! Nach ungezählten Stunden im Bastlerkeller konnte der amerikanische Ingenieur Mark Rosheim seine Vermutung bestätigen: Leonardo da Vincis Skizzen eines »programmierbaren Wagens« ließen sich tatsächlich umsetzen in eine funktionierende Maschine. Unser Bild zeigt Leonardos Zeichnung von 1478 und darüber die Rekonstruktion Rosheims. Dank eines ausgeklügelten Systems aus Federn, Zahnrädern, Achsen und Widerständen kann das Gefährt ohne weiteres Anschieben einige programmierbare, vorher vom Konstrukteur festgelegte Bewegungen ausführen. Richtig in Mode kamen solche »Automaten« erst im 16. und 17. Jahrhundert. Sie dienten als besondere Knüller bei höfischen Festen und Maskeraden zur Unterhaltung des illustren Publikums. Rosheim hält es für möglich, dass Leonardo die Grundidee der Konstruktion im Jahr 1515 erneut für einen automatischen Löwen verwendete. Das künstliche Raubtier wurde bei den Feierlichkeiten zur Thronbesteigung Franz’ I. von Frankreich präsentiert, wo es vor den staunenden Gästen einige Schritte ging, sich aufrichtete, seine Brust aufklappte und Tausende von Lilien und anderen Blumen vor die Füße des neuen Königs fallen ließ. Neben dem automatischen Wagen baute Mark Rosheim auch einen von Leonardo entworfenen Roboter und eine hydraulische Uhr nach. Die mühsame Puzzlearbeit beschreibt er in seinem kürzlich bei Springer erschienenen Buch »Leonardo’s Lost Robots«. BILD