Das Restaurant Kronenhalle in der Zürcher Rämistrasse genießt bei Künstlern, Schriftstellern und Theaterleuten einen ganz besonderen Ruf. James Joyce hatte dort unter den Gemälden von Henri Matisse und André Masson, den vielen zugewidmeten Zeichnungen von Marc Chagall und George Braque einen Großteil seines Ulysses verfasst und immer, so heißt es, umsonst gespeist.

Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt haben bei dem in dem Stück Die Physiker verewigten guten Bordeaux heftig gestritten. Wie man in der kürzlich bei Orell Füssli erschienenen Publikation Kronenhalle Zürich nachlesen kann, ist die Kronenhalle nicht nur die berühmteste Brasserie der Schweiz, sondern auch ein Teil europäischer Kulturgeschichte.

Geprägt wurde sie durch die Persönlichkeit der Wirtin Hulda Zumsteg, auf deren allabendlichen Auftritt im eleganten Balenciaga-Kleid die Gäste auch noch in ihrem hohen Alter gespannt warteten, und dem erlesenen Kunstgeschmack des Sohnes Gustav Zumsteg. Bevor er einen Teil seiner Sammlung im Restaurant aufhängte und sich ihm widmete, hatte er in Paris eine Karriere als Fabrikant feinster Seidenstoffe für die Haute Couture gemacht.

Hulda Zumsteg ist vor 16 Jahren gestorben, der kunstsinnige Sohn im vergangenen Jahr. Testamentarisch hat er verfügt, dass kein Gemälde aus der Kronenhalle entnommen werden darf - dort soll alles so bleiben, wie es ist.

67 Kunstwerke aus seinem Besitz kommen zugunsten der Hulda und Gustav Zumsteg-Stiftung, die unter anderem junge Künstler in der Schweiz fördert, sowie dem Vorsorgefonds der Mitarbeiter der Kronenhalle am 27. Juni im Kunsthaus Zürich in der Regie von Christie's zur Auktion. Darunter befinden sich auch Werke, die einmal in der Bar, mal im Restaurant gehangen haben, die aber aus Sicherheitsgründen in die Privaträume Zumstegs wanderten. So etwa Les huitres von Henri Matisse mit einem Schätzwert von 1,8 bis 2,5 Millionen Schweizer Franken. 1962 hatte Zumsteg das Gemälde bei der Galerie Maeght in Paris erworben, mit deren Besitzern ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Dass die Auktion wenige hundert Meter weiter im Kunsthaus stattfindet, hat nicht nur damit zu tun, dass Christie's dort immer seine Auktionen Schweizer Kunst durchführt. Mit dem Kunsthaus war Zumsteg zudem eng verbunden, hatte es mehrfach mit Kunstwerken beschenkt. Es erbt, so hat er weiterhin verfügt, im Falle einer derzeit eher undenkbaren Pleite des Restaurants den gesamten Bildbestand.

Dass sich Christie's für die Versteigerung der hochkarätigen Sammlung gegen die starke Konkurrenz durchgesetzt hat, liegt daran, so Dirk Boll, Managing Director Zürich, dass Christie's der Sammlerpersönlichkeit wegen und im Sinne des Sammlungszusammenhangs das Konvolut in der Schweiz versteigern lassen wird. Da die Sammlung aber weit über die Grenzen der Schweiz bis nach Amerika einen legendären Ruf besitzt, sind die wichtigsten Bilder mit einem eigenen Katalog und einem Vorwort des früheren Direktors des Kunsthauses, Felix Baumann, auf Tournee.