Wird der neue Verteidigungsminister Franz Josef Jung den Übergang von der hessischen Landespolitik auf die nationale Bühne schaffen? An diesem Freitag zweifellos. Da stellt der Minister in Wilhelmshaven eine neue Fregatte in Dienst. Hessen soll sie heißen. Als Ehrengäste sind der Ministerpräsident des Patenlandes Roland Koch sowie dessen Gattin geladen. Sie ist die Taufpatin. Hessen ist überall!

Franz Josef Jung, Winzersohn aus dem Rheingau, gilt als Inbegriff eines bodenständigen Politikers. Er kann auf Menschen zugehen, ist einnehmend, lässt die Kirche im Dorf. Er wirkt auf angenehme Weise provinziell. Den Wechsel, zurück aufs Weingut, traute man ihm ohne weiteres zu. Als könnten ihm die zwei Jahrzehnte in der Politik nichts anhaben, als reichten sie nicht an seinen Kern heran. Dabei bescheinigen ihm Freunde und Gegner den Instinkt und die Härte des Vollblutpolitikers. Bisher diente er Roland Koch. Ihm hat er 1999 den Wahlsieg organisiert, ein Jahr danach den Rücktritt erspart. So wurde er zu Kochs Mann an Angela Merkels Kabinettstisch.

Inzwischen hat sich der Jungminister ins Amt eingefunden, nachdem schon alles nach Fehlstart aussah. Bei den Koalitionsverhandlungen wirkte er überfordert, mit seinem Vorstoß für eine Dienstpflicht löste er Kopfschütteln aus. Pech kam hinzu, eine dieser undurchschaubaren militärischen Personalaffären, die er mit der Entlassung zweier hochrangiger Generale beendete. In Sachen Kongo-Einsatz ließ er früh Skepsis durchblicken. Längst ist er dafür.

Früher galt das Amt als das schwierigste Ressort, als Testfeld für Höheres.

Aber auch Jung kann sich über mangelnde Herausforderungen nicht beklagen: Über 6000 Soldaten der Bundeswehr im internationalen Einsatz. Noch mehr waren es bei den Nothilfe-Einsätzen: Vogelgrippe, Schneekatastrophe, Fluthilfe... -

es scheint, als wachse der Bedarf rapide. Darüber gibt es keinen politischen Streit, anders als bei potenziellen Antiterroreinsätzen, deren Regelung Jung als dringlich ansieht. Daneben hat der Neue die ganz normalen Pflichten: Er verteidigt den Wehretat, versucht die Wehrpflicht zu stabilisieren und die Transformation der Bundeswehr weiterzuführen. Standorte werden geschlossen, auch einer in Jungs Heimat. Früher hat er für dessen Erhalt gekämpft.

Wie wird man Verteidigungsminister?, lautet die Standardfrage an Franz Josef Jung. Die Anspielung auf seine mangelnde Vorerfahrung nimmt er inzwischen routiniert. Vielleicht hilft es sogar, dass er sich nicht seit Jahzehnten in der sicherheitspolitischen Comunity bewegt. Das bietet ihm auch die Chance zu recht unbefangenen Blicken auf sein neues Betätigungsfeld. Jung staunt demonstrativ: Wer weiß eigentlich, dass Deutschland im Rahmen der Nato Response Force 6000 Soldaten zugesagt hat, die im Ernstfall innerhalb von vier Tagen einsatzbereit sein müssen? Er habe zur Kenntnis zu nehmen, was er an Verpflichtungen vorgefunden habe. Das klingt distanziert. Gerade noch verhindern ließ sich, dass die so genannte EU-battlegroup für den Kongo-Einsatz auserkoren wurde. Turnusgemäß wären dann 1500 Deutsche und vier Franzosen dorthin abkommandiert worden.