Jahrzehntelang hatte die irische Regierung die blutige Geburtsstunde der Republik, den Osteraufstand von 1916 in Dublin, mit größter Zurückhaltung begangen, genauer: vergessen. Das hatte seinen guten Grund: Es war auch die Geburtsstunde der Irish Republican Army, jener terroristischen Untergrundorganisation, die über alle ideologischen Wandlungen hinweg von ihrem Gründungsmythos zehrte.

Jetzt, da die IRA geschrumpft ist auf ein kriminelles Nichts, bemächtigt sich der irische Staat seines revolutionären Ursprungs, der so gewalttätig war wie viele andere Staatsgründungen in Europas Geschichte auch. In einer prachtvollen Parade und mit einer Kranzniederlegung vor der Hauptpost von Dublin gedachte Präsidentin Mary McAleese der Helden von damals. Die Aufständischen würden ihre Insel nicht wiedererkennen: Europas start up money und eine steuerfreie Investitionsförderung haben die historische Armut eliminiert. Das klassische Auswanderungsland hat Einwandererprobleme. Es benötigt Arbeiter.

Ein knappes Jahrhundert später ist der revolutionäre Anfang Irlands im Museum der europäischen Gewaltgeschichte angekommen. Die 35-jährige Antiterror-Schulung der britischen Armee in Nordirland zahlt sich heute in Iraks Süden aus - nur die Politiker - ob in London oder in Washington - begehen die gleichen alten Fehler. Sie ziehen die Terroristen der Zukunft heute in den Lagern von Guantánamo und Bagram heran.