Fast jedes Jahr kam die Queen bei uns in Achiltibuie vorbei. Wann genau, wusste man nicht, auch nicht, ob sie einen Stopp einlegen oder gar an Land kommen würde. Doch immer mal wieder ließ die Royal Yacht Britannia auf ihrer alljährlichen sommerlichen Kreuzfahrt um Schottland in der Bucht vor unserem Haus rasselnd die Ankerkette fallen. Am Bug und am Heck wehte der Union Jack, den mittleren der drei um die vierzig Meter hohen Masten krönte das königliche Banner.

Dann, es war 1997, kam New Labour an die Macht. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen nahm die neue Regierung der Königin das Schiff weg, vertäute es an einer Hafenmole in Edinburgh und machte es »dem Volk« zugänglich.

Elisabeth nahm den Schicksalsschlag, wie es ihre Art ist, stoisch hin. Prinz Charles stürzte die engherzige Geste in eine Lebenskrise. In Tagebuchaufzeichnungen beschrieb er seine profunde Trauer, als er das letzte Mal an Bord ging, damals in Hongkong. Zuvor schon, auf dem Flug zur Übergabe der Kronkolonie an China, seufzte er: »So sieht das Ende des Empire aus«, als er sich in die Club Class verbannt sah, während Tony Blairs Minister sich samt Anhang in der superluxuriösen ersten Klasse des von British Airways gecharterten Jumbojets räkelten. Der Prinz kostete jede ihm verbleibende Sekunde an Bord der Britannia aus. Als sie aus dem Hafen auslief, ging ihm der Gedanke durch den Kopf, »vielleicht ist es gut für die Seele, Hongkong und dem geliebten Schiff gleichzeitig auf Wiedersehen zu sagen. Vielleicht.«

Anlässlich ihres 80. Geburtstags (zu dem wir an dieser Stelle mit aller uns zukommenden Demut gratulieren wollen) will die Queen ihre traditionelle Sommertour wieder aufleben lassen. Nicht im altgewohnt exklusiven Stil, die königliche Yacht ist zur schon lange nicht mehr seetauglichen Touristenattraktion verkommen, sondern auf der Hebridean Princess.

Die Hebridean Princess ist uns ebenso vertraut wie die Britannia. Ihre Ankerkette rasselt jedes Jahr etliche Male in der Tanera Bay auf den Meeresgrund. Mit der 125 Meter langen eleganten königlichen Yacht kann man das stummelige Kreuzfahrtschiff freilich nicht vergleichen. Es ist 70 Meter lang und stramme 14 Meter breit. Ein angemessenerer Name als die Anspielung auf eine Prinzessin wäre John Prescott, als Ehrung des eher plumpen und wenig fotogenen ehemaligen Schiffsstewards und jetzigen stellvertretenden Premierministers.

Zum Galadiner am letzten Abend wird der berüchtigte Haggis serviert

Der Dampfer wurde als Fährschiff gebaut und von der staatlichen Reederei Caledonian MacBrayne ein Vierteljahrhundert lang im schottischen Inselverkehr eingesetzt. Dann kaufte ein findiger Geschäftsmann den heruntergekommenen Pott zum Schleuderpreis und rüstete ihn zu einem exklusiven Kreuzfahrtdampfer um. Eine 38 Mann starke Crew kümmert sich um maximal 49 Passagiere. Preise für die vier bis acht Tage langen Kreuzfahrten fangen bei 2800 Euro an und gehen bis zu 13000 in der Suite.