Es ist nicht ganz leicht, diesem Mann etwas zum Geburtstag zu schenken. Er hat ein eigenes Schloss und ein eigenes Theater, er hat einen Fernsehsender und einen Verlag, er hat einen Fußballclub und das Weingut Château Latour, und natürlich hat er viel Kunst und auch die dazu passende Kunsthandlung, das Auktionshaus Christie’s. Nur eines hatte François Pinault bislang nicht, er bekommt es erst jetzt, kurz vor seinem 70. Geburtstag, und sicherheitshalber schenkt er es sich auch gleich selbst: ein eigenes Museum.

Wobei Museum sich etwas zu bescheiden anhört für das, was er in Wahrheit vorhat. Pinault zählt zu den reichsten Menschen in Europa, ein Multimilliardär, der aus so ziemlich allem ein Multi macht. Er versteht sich auf Großhandel und Großketten, er besitzt Warenhäuser, einen Versandhandel und auch einige noble Modemarken wie Gucci oder Yves Saint Laurent. Im Feld der Kunst hält er es ähnlich: Er baut nicht einfach ein Museum wie andere Großsammler auch, nein, er begründet eine Art Marke und plant viele schöne Dependancen, ein Pinault-Imperium der Künste.

Schon der Anfang ist stolz, ein Zeichen der Macht: Mitten in Venedig, am Canal Grande, erhebt sich der Palazzo Grassi, weithin bekannt für eindrucksvolle kunst- und kulturhistorische Ausstellungen. Finanziert wurde das Programm bislang vom Fiat-Clan, doch nach dem Tod des Konzernchefs Gianni Agnelli stand der Palazzo zum Verkauf. Prompt griff Pinault zu, für 29 Millionen Euro – und zum Entsetzen der Franzosen. "Unser größter Sammler und Mäzen hat seinem Land den Rücken gekehrt", schrieb der Figaro.

Als Direktor fungiert ein ehemaliger französischer Kulturminister

Zunächst hatte Pinault sein Museum in Paris bauen wollen, doch fühlte er sich dort von den Behörden derart gegängelt, dass er sich lieber für Venedig entschied und rasch den hoch geachteten Architekten Tadao Ando mit dem Umbau betraute. Auch ein Museumsdirektor war bald gefunden, kein Geringerer als der ehemalige Chef des Centre Pompidou in Paris und einstige französische Kulturminister Jean-Jacques Aillagon. Der Sammler Pinault umgibt sich eben gern mit Bedeutung, das gilt fürs Personal und erst recht für die Kunst.

Als er sein erstes Bild kaufte, 1972, war das noch anders. Da sollte es etwas Schönes für daheim sein, ein Werk von Paul Sérusier aus der Bretagne, aus der auch Pinault stammt. Heute hingegen soll seine Kunst vor allem Anerkennung stiften, soll international sein, so international, dass sie fast schon austauschbar wirkt. Da gibt es Klassiker wie Warhol oder Rothko oder Judd, und es gibt viel Gegenwart, vor allem Jeff Koons und Damien Hirst, oft Werke, die so oder ähnlich auch anderswo zu sehen sind. Der silbrig schimmernde Kleintraktor von Charles Ray zum Beispiel, jetzt im ersten Stock des Palazzo Grassi geparkt, stand erst kürzlich in der Berliner Flick Collection; es gibt die Skulptur in mehrfacher Auflage.

Dennoch begreift Pinault das, was nun in Venedig gezeigt wird, als ein persönliches Porträt seiner selbst, so heißt es im Kurzführer. Vielleicht ist es das auch wirklich: das Porträt eines Mannes, der haben will, was andere auch haben wollen. Und der an der Kunst vor allem das Kapern der Kunst genießt. So jedenfalls lässt er sich vom polnischen Künstler Piotr Uklanski darstellen: als schillernd bunter Pirat. Uklanski hat Pinault mit einer Wärmekamera fotografiert, er zeigt dessen Schädel auf schwarzem Grund, rötlich, gelblich, lila pulsierend, darunter zwei gekreuzte Knochen.