Entsprechend heiß umkämpft bleibt Prekarisierung als Begriff und Strategie. Von der Auffassung hängt es nämlich ab, ob man seine Arbeitsbiografie als Schicksal erlebt, insgeheim doch noch auf den Traumjob hofft, ob man mit gewerkschaftlichen Positionen liebäugelt oder, ganz im Gegenteil, den flexibilisierten Zeiten "progressive" Aspekte abgewinnen kann. Die Theorieabteilungen des Euro Mayday weisen darauf hin, dass "Prekarität" ohne einen ausdifferenzierten Begriff von gesellschaftlicher Arbeit allenfalls zur Agitationsfloskel taugt. Tatsächlich entscheidet sich am Begriff der Arbeit, ob es sich bei den Prekarisierten um bloße Opfer der gesellschaftlichen Entwicklung handelt oder nicht doch um eine Avantgarde, die bereits in die Kämpfe der Zukunft verstrickt ist. Denn wenn die Macht der Verhältnisse darin besteht, sich die lebendige Arbeit anzueignen, dann schlummert in diesem Sachverhalt kraft Dialektik auch der Same der Veränderung.