Erschreckende Zahlen! Fast jeder dritte Pensionär oder Rentner, vorausgesetzt, er ist über 65 Jahre alt, fällt einmal im Jahr um. Einfach um. Er stürzt. Und 20 Prozent der Gefallenen verletzten sich. Angejahrte Knochen brechen. Es kommt zu Brüchen des Oberschenkelhalses. 135.000 Brüche jährlich. Schlanke verletzen sich häufiger als gut Gepolsterte. Gelegentlich tritt auch der Tod ein. Falls der Gestürzte sich nicht allein aufraffen kann und seine Hilferufe ungehört verhallen. Oder der Gestürzte seinen Bruch für längere Zeit im Bett kurieren muss und Begleiterscheinungen wie Lungenembolie oder Thrombose zum Ende führen. 20 Prozent der über 80-Jährigen sterben innerhalb eines Jahres trotz optimaler Behandlung des Knochenbruchs, heißt es in einer Heidelberger Untersuchung.

Bei einem Sturz brechen jedoch nicht nur die Knochen, es zerbirst auch das Selbstwertgefühl. Der einmal schwer Gestürzte hat Angst, wieder hinzufallen – und bleibt lieber in seinen vier Wänden oder übersiedelt in ein Altenheim.

Der typische Alterssturz ist nicht das unglückliche Ausrutschen auf der vereisten Pfütze oder der Bananenschale, sondern das simple Stolpern über die Teppichkante oder die Türschwelle. Oder, wie es kürzlich einem Freund geschah, beim freihändigen Anziehen seiner Hose. Eh er sich’s versah, lag er da mit verhedderter Hose und gebrochenem Becken. Was lehrte ihn das: Hose nur im Sitzen anziehen. Der Heidelberger Professor und Orthopäde Volker Ewerbeck, erfahrener Bruchspezialist, rät überdies: "Körperliche und geistige Fitness ist die beste Vorbeuge gegen Stürze." Was heißen soll, täglich ein Gedicht von Goethe auswendig zu lernen und 18 Löcher Golf zu spielen?

Es ist nun einmal so, dass, je älter wir werden, unsere Standfestigkeit zunehmend ins Wanken gerät, unser Gang schlurfender wird. Da kann die kleine Stufe schon zur Hürde werden. Ob da vor unliebsamen Stürzen eine Art Schutzhelm für die Hüfte sinnvoll ist, wie kürzlich zu lesen war, ein Hüftprotektor? Eine gut gepolsterte Hose?

Ganz gewiss hülfen uns Sturzgefährdeten aber Haltegriffe hier und dort – besonders natürlich im Bad.

Und da sollten sich gefälligst die Hoteliers mehr einfallen lassen. Bei ihnen eine Dusche zu nehmen, wozu man in der Regel in die Wanne steigen muss, weil eine extra Duschzelle fehlt, ist oft ein lebensgefährliches Unterfangen. Kein Griff, nichts, woran man sich klammern könnte. Und erst aus der rutschigen Wanne wieder zu steigen – da hilft auch keine Senioren-Unfallversicherung.

*Haug von Kuenheim ist 71. Nach 40 Jahren bei der ZEIT – unter anderem als Leiter des Modernen Lebens und stellvertretender Chefredakteur – privatisiert er heute