"Wenn die wüsten Winterwinde wütend wehen, / Weißt du, was zur Wehre wählt ein Weiser? / Warme Wohnung, weiche Watt und wollnes Wams, / Weiter: würz’gen Wein und will’ge Weiber." So übertrug Friedrich Rückert (1788 bis 1866) in den Makamen des Hariri frei aus dem Arabischen. Das war lange vor der Zeit des Turniers in Wijk aan Zee, das jeweils im Januar an der stürmischen Küste nahe Amsterdam stattfindet. Sonst hätte der Schachspieler Rückert vielleicht auch das Schachspiel erwähnt – auch wenn es nicht mit W beginnt.

Das Turnier, inzwischen zum 68. Mal ausgetragen, vereint in verschiedenen Gruppen rund 1000 Schachspieler unter dem Dach einer großen Turnhalle. Garri Kasparow gelang dort 1999 gegen den jetzigen Vizeweltmeister Veselin Topalow, dessen König unter genialen Opfern ins feindliche Lager gezwungen wurde, die vielleicht schönste Partie der Schachgeschichte. In diesem Jahr waren die kahlen Wände mit großen Tüchern verhängt, auf denen leuchtend rote Raketen in Form von Springern gezündet wurden und im Raum schwebende Astronauten Schach spielten. Am letzten Tag aber war Schluss mit dem Futuristischen, und alle gemeinsam schlürften die rituelle Erbsensuppe.

Ein wunderschönes Finale gelang in der Topgruppe dem in Berlin lebenden Armenier Levon Aronjan gegen den US-Amerikaner tatarischer Abstammung Gata Kamsky. Sehen Sie, wie er als Schwarzer am Zug in allen Varianten entweder die weiße Dame erobert oder den im freien Feld vagabundierenden König gar matt setzt?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 17:

Wie setzte Weiß am Zug in vier Zügen matt? Der Auftaktzug war 1.Lg7! mit der Drohung Th8 matt. Nach 1…f6 nahm zuerst 2.e6! , nach 2…Sxe6 jedoch 3. Dg6 dem schwarzen König das Fluchtfeld f7 – das unweigerliche Matt im nächsten Zug erfolgte durch 3…Sxg7 4.Dxg7