Unvergessen sind Franz Münteferings Worte zu jenen Heuschreckenschwärmen, die über Unternehmen herfallen, sie abgrasen, um dann weiterzuziehen. Fast genau ein Jahr nach diesem kühnen Spruch verkauft ausgerechnet die staatseigene KfW-Bank Anteile an der Deutschen Telekom an den US-Investor Blackstone. Der gehört zu jener Finanzelite, die um ihr Image bangen muss.

Ihre Mitglieder werden auch die Herren des schnellen Geldes genannt. Private-Equity-Firmen wie Blackstone zählen dazu oder auch Hedge Fonds. Einige unter ihnen agieren ebenso trickreich wie skrupellos. Für sie zählt nur Rendite. Mitarbeiter sind Kostenfaktoren, verantwortungsbewusste Manager werden leicht zu Störenfrieden – oder wandeln sich zu Erfüllungsgehilfen.

Blackstones Chef und Mitbegründer Stephen A. Schwarzman steht allerdings nicht in dem Ruf, ein reiner Abzocker zu sein. Er will sich mindestens zwei Jahre lang bei der Telekom engagieren. Doch auch Schwarzman würde wohl kaum 2,7Milliarden Euro investieren, ohne sich einer satten Rendite sicher zu sein. Üblich in der Branche sind 20 bis 30 Prozent. Wie will er die erreichen? Und warum gibt er sich mit einem Anteil von nur 4,5 Prozent zufrieden? Normalerweise strebt Blackstone die Mehrheit und damit die komplette Kontrolle über ein Unternehmen an. In diesem Fall aber verbleibt rund ein Drittel der Anteile beim Staat. Was nicht ist, kann womöglich noch werden. Zwar hat die KfW eine Verkaufspause von einem Jahr angekündigt. Doch danach sind Gebote wieder erwünscht.

Besonders interessant wird die Sache, weil Ron Sommer im europäischen Beirat von Blackstone sitzt; also jener Chef der Telekom, der von der rot-grünen Bundesregierung mit Kanzler Gerhard Schröder an der Spitze aus seinem Amt vertrieben wurde. Kommt Sommer auf diese Weise nun wieder zu Würden? Immerhin profitiert die Telekom noch heute von seiner langfristigen Strategie.

Sommers zeitweise so umstrittener Kauf des Mobilfunkunternehmens VoiceStream in den USA hat sich als Glücksfall herausgestellt, und auch sein Beharren darauf, die Telekom als integrierten Konzern mit Festnetz, Internet und Mobilfunk unter einem Dach zu erhalten, war richtig. Vodafone, dem reinen Mobilfunker, wurde von so manchem Finanzmarktexperten seinerzeit das bessere Konzept attestiert. Doch diese Erkenntnis bröckelt. Nicht zuletzt forcierte Sommer den Ausbau des Breitbandgeschäfts – eine Strategie, die den Innovationsmotor der Telekom bis heute antreibt. Auch sein Nachfolger Kai-Uwe Ricke war bislang klug genug, sich von inkompetenten Analysten nicht beirren zu lassen.

Die Mitarbeiter der Telekom können jetzt nur hoffen, dass der neue Investor Schwarzman nicht nur den eigenen Vorteil, sondern auch ihre Zukunft im Auge hat. Denn man braucht keine Mehrheit, um ein Unternehmen auszumergeln. Reserven, die man plündern kann, gibt es in jedem gut geführten Unternehmen. Solche Quellen sind schnell angezapft. Beispielsweise dadurch, dass man das Management dazu zwingt, hohe Dividenden oder sogar Sonderzahlungen zu leisten. Schon Christopher Hohn führte mit seinem Hedge Fonds TCI im vergangenen Jahr bei der Deutschen Börse AG vor, wie man auch mit einem bescheidenen Anteil Einfluss nimmt, den Vorstandschef kippt und sein Kapital vermehrt. Von "modernen Finanzierungstechniken" ist in der Geldbranche die Rede. Und davon gibt es reichlich.

Gegen den Willen des Großaktionärs Bund ist bei der Telekom wenig zu machen. Doch Schwarzman gilt als Meister seines Fachs. Müntefering und sein Parteifreund Steinbrück, Finanzminister und Dienstherr der KfW, werden viel von ihm lernen.