Für Peter Mandelson wird es eng. Nur noch bis zum Sommer sieht der EU-Handelskommissar eine gute Chance für den Abschluss der Doha-Entwicklungsrunde. Im Gespräch mit der ZEIT sagte Mandelson: Wenn sich die Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO bis dahin nicht auf neue Regeln geeinigt hätten, werde es sehr schwierig, weiterhin die nötige internationale Unterstützung für die Runde zu organisieren.

Erst am Wochenende hatte sich WTO-Chef Pascal Lamy ähnlich besorgt geäußert.

Lamy hatte die Mitgliedsstaaten eigentlich bis Ende April auf den verbindlichen Abbau von Handelsschranken für Agrarprodukte festlegen wollen.

Doch das ist vorerst gescheitert. Nun schieben die Beteiligten den schwarzen Peter hin und her. In Genf, am Sitz der WTO, sieht man die Schuld vor allem bei den USA und in Europa - und deren Agrarprotektionismus. Aus Brüssel wiederum klagt Mandelson über die Unnachgiebigkeit der großen Entwicklungsländer G20, die die Industriezölle nicht ausreichend senken wollten.

Nur in Washington herrscht derzeit Schweigen. Dort wurde gerade erst der erfahrene Handelsbeauftragte Robert Portman von seinem Posten abgezogen und zur Verstärkung von Präsident George Bush ins Weiße Haus geholt. Ersetzt wird Portman künftig durch die weithin unbekannte Susan Schwab, was viele Beobachter als eine Schwächung der Freihandelslobby interpretieren. Schwab bleibt nämlich kaum noch Zeit, um die Amerikaner von den Segnungen des Welthandels zu überzeugen und beispielsweise zum Abbau von Agrarsubventionen zu drängen. Spätestens Ende 2006 endet das Verhandlungsmandat des amerikanischen Präsidenten - und damit ihre Chance, ein mögliches Abkommen noch vor den Wahlen durch den Kongress zu schleusen.