Chapeau den Bundesbürgern: Sie sind schwer aus der Fassung zu bringen. Egal, wie viel neue Abgaben sich die Koalition auch einfallen lässt – sie werden immer optimistischer. Die Unternehmer strotzen vor Zuversicht, und bei den Verbrauchern wächst die Kauflust.

Wer wollte jetzt noch behaupten, der Aufschwung der deutschen Wirtschaft sei das Werk der Politik, sei gar ein Merkel-Boom? Die Bundeskanzlerin hat alles getan, um den Beweis des Gegenteils anzutreten. Was soll nicht alles steigen? Die Einkommensteuer für reiche Privatleute und, wenn der Gesundheitssoli kommt, auch für den Rest der Steuerzahler. Der Rentenbeitrag für alle, die noch einen festen Job haben. Und als krönender Abschluss die Mehrwertsteuer für jedermann.

Nein, der Politik ist der Aufschwung nicht zu verdanken, die Deutschen haben ihn sich selbst verdient, in Tausenden von betrieblichen Bündnissen, mit längeren Arbeitszeiten und dem Willen zu mehr Leistung – so leicht lassen sie ihn sich nicht nehmen. Doch wenn die Politik so weitermacht, wird ihre Zuversicht bald wieder schwinden.

Der Aufschwung hat Substanz, weil ihn harte Fakten begründen, denen nun die Stimmung folgt. Der Exportboom sorgte im vergangenen Jahr allein für zwei Drittel des deutschen Wachstums – fast 800 Milliarden Euro hat der Ausfuhrweltmeister 2005 eingenommen. Und dieser Boom hält an, wie die Auftragshefte belegen. Deutsche Maschinen sind in der schnell wachsenden Weltwirtschaft beliebt. Und neuerdings investieren hierzulande die Unternehmen wieder in Fabriken, Fuhrparks und Forschungslabors. In den meisten Branchen geht es aufwärts, sogar in der lange darbenden Bauindustrie.

Die große Überraschung aber hält der Konsumklima-Index parat: Die Verbraucher, die sich jedem Anflug von Optimismus fünf triste Jahre lang entzogen haben, werden wieder kauffreudig. Das alles verhieße in diesem Jahr 1,8 Prozent Wachstum, haben die führenden Konjunkturforscher gerade berechnet. Es könnten auch zwei Prozent werden.

Dieser Aufschwung ist zwar echt, aber belastbar ist er nicht. Was, wenn der Dollarkurs einbricht und deutsche Waren auf einen Schlag in vielen Ländern teurer werden? Was, wenn die Energiepreise noch einmal explodieren? Die heimischen Konsumenten bleiben skeptisch. Sie wollen jetzt neue Autos, Flachbildfernseher oder Möbel kaufen – bevor der Staat von Januar 2007 an drei Prozent zusätzliche Mehrwertsteuer auf die Preise schlägt. Dann droht wieder Verbraucherlethargie. Dauerhaft steigt die Nachfrage nur, wenn die Arbeitslosigkeit deutlich abnimmt und die Angst der Menschen schwindet, den eigenen Job zu verlieren.