Das Lob stammt aus bestem Hause. Das deutsche Ranking sei »nicht weniger als brillant«, befindet das Educational Policy Institute, eine angesehene Denkfabrik in Toronto und Virginia Beach. 19 Uni-Ranglisten aus aller Welt hat das Institut in einer groß angelegten Studie verglichen. Das Hauptproblem, sagen die Autoren, sei eben dieses: Es sind Ranglisten – mit oft fragwürdigen Indikatoren. Das deutsche Ranking dagegen sei so einzigartig, weil es die Hochschulen aktiv in die Erstellung mit einbeziehe und so »eine hohe Datenqualität auf Institutsebene« erreiche – statt angebliche Bestenlisten zu veröffentlichen. Schon im Vorjahr hatte die Vereinigung Europäischer Hochschulen in einer Studie festgestellt: »Das vom CHE benutzte System zur Bewertung von Hochschulen ist vermutlich das beste verfügbare Modell in der Welt der Hochschulbildung.« ZEIT Studienführer 2006 BILD

Mit so viel internationalem Lob ausgestattet, geht das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in die nächste Runde. Zum zweiten Mal veröffentlicht die ZEIT seine Ergebnisse. Seit 1998 hat sich das Ranking ständig verfeinert. Immer neue Fächer und weitere Leistungsmerkmale sind hinzugekommen. In diesem Jahr bewertet das CHE 30 Fächer, erstmals dabei sind Geografie und Geowissenschaften. Bis zu 34 Kriterien pro Disziplin fließen in den Hochschulvergleich: von der Ausstattung im Labor bis zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Hochschullehrer. Über 210000 Studenten und 31000 Professoren haben sich mittlerweile daran beteiligt. Sämtliche Angaben zu den Tausenden untersuchten Studiengängen finden nur im Internet Platz. Dazu kommen seit dem vergangenen Jahr Daten aus Österreich und der Schweiz .

Keine dieser Einzelinformationen reicht aus, um einem Studiengang gerecht zu werden. Für einen sinnvollen Vergleich sollte der Nutzer möglichst viele Hinweise zu Qualität in Lehre und Forschung heranziehen – deren Bedeutung sich von Fach zu Fach unterscheiden kann. So wird einem angehenden Architekten wichtig sein, dass in seinem Fachbereich genug Arbeits- und Zeichenplätze zur Verfügung stehen, um Entwürfe anzufertigen. Ob seine Professoren viele Forschungsgelder einwerben, dürfte für ihn zweitrangig sein. Für einen Historiker ist eine gute Bibliothek unverzichtbar, für einen Zahnmedizinstudenten eine ausreichende Zahl von Behandlungsstühlen.

Der CHE-Vergleich verbindet Breite mit Differenziertheit. Nicht einmal Eliteuniversitäten liefern in allen Fächern Spitzenleistungen. Vielmehr kann die Mathematikerausbildung einer Universität exzellent sein, während die Wirtschaftswissenschaftler dem Stand der Forschung hinterherhinken; Medizinprofessoren können eine innovative Lehre bieten und die benachbarten Juristen den Gipfel der Hochschuldidaktik noch immer in der Massenvorlesung sehen. Statt Rangplätze wie bei Bundesligatabellen anzugeben, vermeidet das CHE eine Scheingenauigkeit, indem es die Werte der einzelnen Kriterien in eine Spitzen-, eine Mittel- und eine Schlussgruppe einteilt. Denn oft unterscheidet sich der Bestplatzierte nur in einer Stelle hinter dem Komma vom Nächstfolgenden.

Ein weiterer Unterschied: Das CHE verrührt die einzelnen Kriterien nicht zu einer Gesamtpunktzahl. Denn was andere Leistungsvergleiche zu vordergründigen Gesamtwerten zusammenfassen, hat für die wichtigste Zielgruppe der Rankings – Abiturienten und Studenten – wenig Informationsgehalt. Für die einen mag bei der Wahl der Universität die Bewertung durch die Studenten besonders entscheidend sein. Für die anderen sind es die Forschungsleistungen eines Fachbereichs. Das multidimensionale Ranking des CHE macht »Mein Ranking« möglich. Es erlaubt den Nutzern im Internet, die ihnen wichtigen Eigenschaften selbst auszuwählen und zu gewichten.

Ranking-Ergebnisse sollten nur eine Orientierung sein bei der Suche nach dem richtigen Studienplatz. Gespräche mit Professoren und Studenten höherer Semester, der Besuch von Schnuppertagen der Unis sind ebenso wichtig. Sie alle helfen, Rationalität in die wichtige Entscheidung zu bringen, die bei vielen Studienanfängern noch immer Unkenntnis oder Zufall prägen.
Zum Hochschulranking 2006/2007 »