Statt an den Herd strömen die dänischen Frauen schon seit langem auf den Arbeitsmarkt. Der Beruf der Hausfrau ist praktisch ausgestorben. Der Wunsch nach Kindern blieb trotzdem ungetrübt. Eine dänische Frau bekommt im Durchschnitt rund 1,8 Kinder; 1983 waren es nur 1,4. Wenn es ums Kinderkriegen geht, liegt Dänemark im europäischen Vergleich inzwischen weit vorn. Das gilt auch für die übrigen nordischen Länder, vor allem für Island. Dänische Väter können 14 Tage bezahlten Urlaub nehmen BILD

Die Kinderfreundlichkeit, so wird gemeinhin vermutet, ist vor allem dem nordischen Wohlfahrtsstaat zu verdanken. Der nämlich hilft berufstätigen Müttern auf recht großzügige Weise. Sie dürfen 14 Wochen in bezahlten Mutterschaftsurlaub gehen. Und Väter können zwei Wochen bezahlten Urlaub nehmen. Zusätzlich gibt es noch ein Anrecht auf 32 Wochen Elternurlaub. In dieser Zeit zahlt der Staat 90 Prozent des letzten Gehaltes, begrenzt auf 450 Euro pro Woche.

Besonderen Wert legen die Dänen auf eine ausgeprägte Versorgungsstruktur. So haben beispielsweise in Kopenhagen mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Kleinkinder einen Krippenplatz, und fast alle (96 Prozent) der Drei- bis Sechsjährigen gehen in den Kindergarten. In der Krippe passt im Schnitt ein Erwachsener auf drei Kinder auf (sieben in Berlin); im Kindergarten spielt ein Pädagoge mit 6,5 Kindern (zehn in Berlin). Allerdings sind im Gegensatz zu Berlin nicht alle Kräfte voll ausgebildet. Bei einer Umfrage erklärten 85 Prozent aller Eltern dennoch, sie seien mit den Institutionen »zufrieden« oder gar »sehr zufrieden«.

Kindergeld gibt es bis zum 18. Lebensjahr des Nachwuchses (bis zum zweiten Lebensjahr 460 Euro pro Quartal; danach sinkt es bis auf 326 Euro). Wenn die junge Frau oder der junge Mann mit 18 Jahren noch in der Ausbildung ist, zahlt der Staat eine Art Studentengehalt. Die Höhe ist zunächst eher bescheiden, insbesondere, wenn die Eltern gut verdienen. Aber vom 20. Lebensjahr an erhält jeder einen Grundbetrag von immerhin umgerechnet 635 Euro im Monat, sofern er oder sie nicht mehr bei den Eltern wohnt. Bei Behinderung oder wenn er oder sie andere zu versorgen hat, wird das Gehalt entsprechend aufgestockt.

Allerdings machen auch dänische Frauen nach wie vor die Erfahrung, dass Kinder eine Karriere behindern können. Das fängt schon bei Einstellungsgesprächen an. Wenn ein Mann von seiner Familie und seinen Kindern erzählt, dann sammelt er damit Punkte. Die Familie gilt als Ressource, die ihn stärkt. Bei Frauen hingegen gelten Kinder nicht selten als Belastung. So sind es hauptsächlich Frauen, die den Elternurlaub nehmen. Und in einem Punkt unterscheidet sich Dänemark ganz und gar nicht vom Rest Europas: Auf den Chefetagen – vor allem in der Privatwirtschaft – sind Managerinnen eher selten anzutreffen.

Folgt man der Soziologieprofessorin Anette Borchhorst, dann scheint es allerdings ein probates Mittel zu geben, um mehr Symmetrie zwischen Männern und Frauen bei der Erziehung von Kindern zu bringen. Ein Teil des Elternurlaubs, so fordert die Expertin für Sozialpolitik, sollte ausdrücklich für die Männer reserviert werden: »Schon als man in Dänemark den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub einführte, ging die Zahl der urlaubenden Männer steil nach oben.« Und in Island gebe es die 3-3-3-Regel: drei Monate für die Mutter, drei Monate für den Vater, drei Monate wahlweise. »Das scheint richtig zu helfen«, so Borchhorst.