Neuerdings sind Graffiti häufig nicht nur hässlich, sondern gefährlich. Sprayer füllen in ihre Filzstifte Flusssäure, eine farblose, ätzende Chemikalie, bevor sie Scheiben von U-Bahnen bemalen. Wer mit der Farbe in Berührung kommt, dessen Haut absorbiert die giftige Substanz. Sie zieht dann in tiefere Gewebeschichten vor und greift sogar die Knochen an. In über 70 Fällen ermittelte die Berliner Polizei seit Mitte Februar, vor allem Reinigungskräfte hatten sich Verletzungen zugezogen. Das sind Crews, die härter unterwegs sind als ein Großteil der Szene, sagt Dennis Thimm, der jahrelang in der Graffitiszene aktiv war. Zu haben sei die hochgiftige Chemikalie für 30 Euro im Internet.

Die Experten vom Institut für Graffiti-Forschung in Wien zeigen sich ratlos angesichts des Flusssäure-Booms. Und auch der Protestfilm Vandalismus bringt nichts, der jetzt in allen U-Bahnen in Endlosschleife läuft, bleibt Aufklärung über die neue Gefahr noch schuldig. Flusssäure ist ein begehrtes Produkt. Im letzten Jahr erhöhte Lanxess, einer der größten Flusssäure-Hersteller, die Preise für die Chemikalie um 12 Prozent. Die Nachfrage steigt.