Die Aktie des amerikanischen Software-Unternehmens Microsoft verlor am vergangenen Freitag rund acht Prozent. Börsianer waren enttäuscht von den Gewinnen, nicht etwa vom Verlauf der Microsoft-Anhörung vor dem Gericht erster Instanz in Luxemburg. Dabei ist dies der größte Wettbewerbsfall, der je vor dem Luxemburger Gerichtshof landete. Mit einem Urteil wird frühestens Ende des Jahres gerechnet. Und die Richter ließen sich bisher nicht ansatzweise anmerken, in welche Richtung ihr Urteil ausfallen könnte.

Begonnen hatte alles 1998, als sich Sun Microsystems beim damaligen Wettbewerbskommissar Karel Van Miert über Microsoft wegen der hermetischen Bauweise von dessen Windows-Betriebssystem beschwerte. Wenig später leitete Brüssel eine Untersuchung wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung ein. Derzeit läuft Windows auf etwa 90 Prozent aller PCs. Van Mierts Nachfolger Mario Monti verhängte dann im März 2004 eine Strafe von 497 Millionen Euro und Auflagen gegen Microsoft. Zugleich lehnte er ein Kompromissangebot von Firmenchef Steve Ballmer ab, der daraufhin vor Gericht zog.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Media Player, der beim Windows-Kauf mitgeliefert wird, Konkurrenzangebote vom Markt drängt. Die Microsoft-Vertreter verneinten das in Luxemburg und verwiesen darauf, dass heute rechnerisch 3,2 verschiedene Mediaplayer pro PC vorinstalliert seien. Zweiter Konfliktpunkt ist die so genannte Interoperabilität: die Möglichkeit, auf Servern mit Microsoft- Software auch andere Programme laufen zu lassen. Das erfordere Einblick in die Geheimnisse von Windows, stelle also einen Eingriff in geschütztes geistiges Eigentum dar, argumentiert Microsoft.

Sollte das Unternehmen siegen, wäre die Macht des Brüsseler Marktregulators geschwächt. Sollte hingegen die Kommission Recht bekommen, dürften die Microsoft-Aktien erneut jäh fallen. VAN