Die Situation der Armen in Brasilien hat sich gebessert, aber weit weniger, als Präsident Lula versprochen hat. 40 Millionen der inzwischen 183 Millionen Brasilianer leben weiter in Armut, was auch daran liegt, dass die Bevölkerung jährlich um rund zwei Millionen Einwohner wächst. Außerdem bleibt Brasilien das Land mit der zweitungleichsten Einkommensverteilung der Welt. Einem Prozent der brasilianischen Bevölkerung gehört rund die Hälfte des Bodens.

Eine Landreform ist angekündigt, kommt aber kaum voran.

Der Agrarboom sorgte bislang nur dafür, dass die Zahl der Arbeitsplätze in der immer stärker mechanisierten Landwirtschaft stabil bleibt. Allerdings verwandeln sich die Tätigkeiten von saisonalen, oft schlecht bezahlten Erntearbeitern in immer besser entlohnte Jobs für Fahrer und Mechaniker, Ingenieure und Informatiker. Angaben des Agrarministeriums zufolge erwirtschaftet Brasilien heute ein Drittel seines Bruttosozialprodukts durch agrarnahe Produktion und Dienstleistungen etwa von Logistikunternehmen, Spediteuren und Vermarktungsfirmen. Dies hat dazu beigetragen, dass unter der Regierung Lula rund 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden sind und die offizielle Arbeitslosigkeit in den vergangenen drei Jahren von 11,2 Prozent auf 9,2 Prozent sank.

Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Lula die Ausgaben für Sozialhilfe um gut elf Prozent gesteigert. An vielen Stellen verringert jedoch ein Missmanagement der Verwaltung die Wirkung der Sozialhilfe. Der gesetzliche Mindestlohn wurde vor wenigen Monaten von 300 auf 350 Real (etwa 140 Euro) angehoben. Die Einkommen der unteren Schichten sind zuletzt leicht gestiegen.