Es gibt übrigens in diesem Welttheater keine Frauen. Wenn man Meese danach fragt, fällt ihm nur eine ein, die ihn wirklich beeindruckt hat. Ihre Haut so weiß wie Schnee, ihre Lippen so rot wie Blut, ihr Haar so schwarz wie Ebenholz – und ihre Brüste so groß wie die Berge. Ein riesiges Schneewittchen aus einem Video der deutschen Schwulst-Gruppe Rammstein. Eine Kunstfigur. Um sie scharen sich die Männer wie Zwerge, sie peitscht ihnen mit der flachen Hand die nackten Hintern.

Johnny aus Ahrensburg steht allein auf der Bühne seiner Kunst, immer wieder im militärischen Habit, Helm und Mantel und Maske, wie auf der Spitze eines stinkenden Feldherrenhügels aus den vergorenen Strünken deutscher Geschichte, gewärmt von ihrer Verwesung, betört von ihren Dünsten, und schreit sich die Seele aus dem Leib. Natürlich leidet er. Wie sollte man nicht, als einziger Mensch, in einem Universum, das so aussieht: Hitler und Stalin und Wagner, der mordende Caligula, der missmutige Hagen, Kubricks Clockwork Orange und Boormans Zardoz, Lautréamont und Porno, Pop, Philosophie – und Pimmel. Ganz viele Pimmel. Auf den Bildern, an den Skulpturen. Überall Pimmel. Mutter Meese mag das nicht so. Aber darauf, sagt er, kann er jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Nur am Frühstückstisch redet man davon besser nicht. In der großen Halle seiner Ausstellung, vor einem pimmelstrotzenden Bild, hatte er gesagt: »Pimmel sind wichtig.« Warum? »Ich hätte gerne einen ganz großen Pimmel.« Ja? »Ja. Habe ich aber leider nicht.« Würde dir das helfen? »Ich glaube, dann wäre ich was anderes geworden.« Was denn? »Wahrscheinlich ein zufriedener Mensch.«

In Ahrensburg verabschiedet man sich an der Tür, Jonathan besteht darauf, ein Foto zu machen, Mutter Meese und der Gast, Arm in Arm, das kommt dann in den Keller, in die Kisten zu den 300000 anderen. Man bedankt sich herzlich für den Kaffee, und Mutter Meese sagt freundlich: »Wir haben gerne Gäste hier. Vor allem junge Männer.«

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