Der Lauf über Kohlen wird gern in Motivations- oder Esoterikseminaren eingesetzt – als Zeichen, dass der Mensch das scheinbar Unmögliche zu tun vermag. Übernatürliche Kräfte braucht allerdings niemand. Die Sache lässt sich mit herkömmlicher Physik gut erklären. Auch wenn in Prospekten oft von 1000 Grad und mehr die Rede ist, hat man in Holzkohleglut nur Temperaturen von 250 bis 500 Grad gemessen. Holz und vor allem die Asche, von der die glühenden Holzstückchen umgeben sind, sind jedoch keine guten Wärmeleiter. Die Kontaktfläche zwischen Fuß und Kohle ist klein, die Kontaktzeit kurz: Sie beträgt beim zügigen Gehen, das unbedingt angeraten ist, nur wenige Zehntelsekunden. Außerdem leitet unser Blutkreislauf lokale Hitze schnell ab. Schließlich mindert der stets vorhandene natürliche Fußschweiß die Wirkung, weil zu seiner Verdunstung Energie verbraucht wird und eine zusätzlich isolierende Dampfschicht entsteht.

Am gefährlichsten sind Glutstückchen, die am Fuß kleben bleiben und für kleine, aber schmerzhafte Brandblasen sorgen. Deshalb sollte man unmittelbar nach dem Lauf alle Glut- und Aschereste vom Fuß abstreifen. Und selbstverständlich läuft jeder auf eigene Gefahr. Christoph Drösser

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de