Dabei räuchern unsere neuzeitlichen Holzköhler ganz legal. Die weitaus meisten Kamin-, Kachel- oder Küchenöfen haben nämlich eine Wärmeleistung unter 15 Kilowatt. "Für solche Anlagen gibt es bisher keine Grenzwerte", konstatiert das UBA trocken. Deshalb fordert das Amt eine rasche Änderung der 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung, kurz 1. BImSchV genannt, die den Betrieb kleiner und mittlerer Feuerungsanlagen regelt. Diese Verordnung, da sind sich alle Fachleute einig, ist völlig überholt und stammt aus einer Zeit, als man Feinstaub gesundheitspolitisch noch gar nicht kannte, sondern allenfalls als lästige Ablagerung auf alten Akten.

Inzwischen hat sich der Wind kräftig gedreht. Verschärfte Vorschriften der EU führen zu massiven Überschreitungen der Grenzwerte für Feinstaub in der Luft, vor allem in verkehrsreichen Städten. Dies zwingt die Kommunen, Luftreinhaltepläne zu entwickeln und in den Verkehr einzugreifen, mit Tempolimits oder Sperrungen ganzer Straßen. Doch dies erweist sich oft als enttäuschend wenig wirksam, insbesondere bei so genannten Inversionswetterlagen im Winter. Dann können die Schadstoffe nicht wie üblich kilometerweit nach oben aufsteigen, sondern sammeln sich in einer Dunstglocke in den untersten hundert Metern. Aus diesem Grund kam es auch in deutschen Städten im vergangenen Winter zu massiven Feinstaubbelastungen, Ende April hatten bereits 16 Städte das zulässige Jahreslimit überschritten.

Besonders heftige Diskussionen gab es jüngst in der Schweiz. Dort hatten elf Kantone auf Autobahnen ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern verfügt. Fast gleichzeitig sorgten Messungen des überwiegend staatlich finanzierten Paul-Scherrer-Instituts (PSI) für Aufsehen. "Holzfeuerungen bezüglich Feinstaub unterschätzt", lautete die Botschaft, die europaweit Konsequenzen haben dürfte.

Mit präziser Detektivarbeit haben Atmosphärenchemiker des PSI analysiert, woher die Feinstäube in zwei Schweizer Bergdörfern stammen: ob von den nahen, international bedeutenden Autobahnen oder aus heimischen Schornsteinen. In dem Dorf Roveredo an der San-Bernardino-Achse kamen sie zu einem frappierenden Ergebnis: "Im Dezember war der Anteil aus Holzfeuerungen vier- bis sechsmal größer als jener aus fossilen Quellen." Im Klartext: Die Dörfler staubten mehr als der Autobahnverkehr. Messungen anhand von radioaktivem Kohlenstoff (C14) haben die stillen Holzstinker entlarvt.

Die Atmosphärenchemiker nutzten hierzu die bewährte Radiokarbonmesstechnik zur Altersdatierung. Frisches Holz enthält C14, den der Baum aus der Luft durch Fotosynthese aufgenommen hat. Beim Verbrennen entstehen daraus Ruß oder kohlenstoffhaltige Partikel, auch diese strahlen schwach. Anders hingegen Benzin- oder Dieselpartikel. Sie stammen aus fossilem Erdöl. C14 zerfällt nämlich in 5730 Jahren jeweils zur Hälfte, nach Millionen Jahren ist es vollständig verschwunden. Quillt also Ruß aus dem Auspuff, dann strahlt dieser überhaupt nicht.

Zusätzlich überführten die Wissenschaftler die Holzheizer mit chemischen und physikalischen Analysen. So entsteht bei der Holzverbrennung durch Pyrolyse aus Zellulose reichlich Levoglucosan. Verbrennungsmotoren produzieren diesen Stoff nicht. Und siehe da, es war viel Levoglucosan in der Bergluft. So fanden die PSI-Forscher auch an der Station Moleno der Gotthardautobahn die Spur der benachbarten Heizer. Obwohl deren Feuerstellen von der Messstation weiter entfernt waren als die nahe Autobahn, übertrafen auch sie zeitweise die Verkehrsemissionen. Auf der Basis solcher Resultate vermuten die Schweizer Forscher, "dass der Beitrag der Holzfeuerungen zu den hohen Feinstaubemissionen in der Schweiz und Europa teilweise klar unterschätzt wird".

Trotz harscher Kritik an den bestehenden Öfen sind sich alle Forscher einig, dass eine klimaneutrale und saubere Nutzung der Holzenergie wichtig bleibt. Das Umweltbundesamt vergibt sogar für manche Holzpelletheizgeräte den "Blauen Engel". Im Vergleich zu vielen anderen Dreckschleudern auf dem Ofenmarkt mag dies plausibel erscheinen, dennoch führt es gutgläubige Verbraucher in die Irre. Die Vorstellung, dank Blauem Engel könne man reinen Gewissens die vergleichsweise sauberen Pellets verheizen, erweist sich angesichts der strengen Maßstäbe im Straßenverkehr als naiv. Pelletheizungen sind immer noch schmutziger als moderne Dieselmotoren ohne Partikelfilter.