Anlass war vermutlich ein Wahlabend in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre. Gerd Bucerius liebte es, möglichst viele verschiedene Parteien um sich zu versammeln und bei einem guten Büfett die vorläufigen Hochrechnungen zu kommentieren: knapp, treffsicher und unvoreingenommen. BILD

Ich erinnere nicht einmal sicher, ob es ein solcher Wahlabend war.

Jedenfalls hatte ich mich rechtzeitig aus dem Rathaus aufgemacht und dann von zu Hause aus mit ein paar Schritten die schon lebhafte Abendgesellschaft erreicht.

»Herr Nachbar«, so begrüßte mich wie immer Bucerius, den ich von meiner Terrasse über den Nachbargarten hinweg am Morgen oft bei seiner straffen Gymnastik beobachten konnte. In meinem Kopf aber rumorte noch die Absage, die sich Kultursenator von Münch für einen Stiftungsbeitrag zum Literaturhaus gerade eingehandelt hat: Rund sechs Millionen Mark für das Literaturhaus waren dem Mäzen Bucerius dann doch zu viel. Mein seit langem gehegter Plan für das Literaturhaus schien gescheitert. Kaum in den gastlichen Räumen, suchte ich Hilde von Lang und traf sie allein am Büfett. Dreist nutzte ich die Chance und bat, mit Gerd Bucerius doch noch einmal zu reden, ob denn vielleicht die auch aus meiner Sicht nur notwendigen rund drei Millionen möglich wären?

Ich glaube, es vergingen nicht 48 Stunden, bis ich das knappe »Ja« hatte. Ich sagte Danke am Telefon und dachte: typisch Bucerius – nüchtern, knapp, großzügig. So war er eben.

Lesen Sie Erinnerungen an Gerd Bucerius von:
Helmut Schmidt, Alt-Bundeskanzler » Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius » Robert Leicht, ZEIT-Chefredakteur von 1992 bis 1997 » Gerd Schulte-Hillen, ehemals Vorstandschef von Gruner + Jahr » Liz und Reinhard Mohn, kontrollierende Gesellschafter der Bertelsmann AG »Zurück zum Artikel:
Der Mann, den wir »Buc« nannten.
Erinnerung an einen aufsässigen Verleger zu seinem 100. Geburtstag »

Lesen sie hier eine Rezension der Dokumentation über Gerd Bucerius , die die ARD am Donnerstag, dem 18. Mai um 23.15 Uhr und der NDR am dienstag, dem 23. Mai um 22.15 Uhr ausstrahlt.

Sehen Sie hier einen Nachruf auf Gerd Bucerius mit Kommentaren von Helmut Schmidt, Theo Sommer, Robert Leicht und der Gräfin Dönhoff.