Es passierte im Herbst 1982, als um die Umsetzung des Nato-Doppelbeschlusses gestritten wurde. Der stern hatte eine Pershing-II-Rakete auf den Titel genommen, die eine weiße Taube durchbohrte. Ich war von dem Titelbild überrascht. Man konnte darüber streiten, aber stern- Titel bestimmt der Chefredakteur, nicht der Vorstandsvorsitzende. Manfred Fischer, der damalige Aufsichtsratsvorsitzende von G+J, bat mich am Nachmittag anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse zu einer Vorbesprechung mit Bucerius. Kaum war ich eingetreten, da überhäufte Bucerius mich in äußerster Lautstärke mit Vorwürfen zum stern- Titel, die in dem Ausspruch gipfelten: "Sie, Herr Schulte-Hillen, ja Sie sind schuld am Untergang Deutschlands!" Ich war völlig überrascht und fühlte mich zu Unrecht und obendrein in völlig überzogener Wortwahl angegriffen und brüllte zurück: "Noch geht hier gar nichts unter, sondern deutlich bergauf. Greifen Sie mich nicht für ein Titelbild an, über das man streiten kann, das aber die Chefredaktion aussucht." – Nun schrie Fischer mich an: "Du Choleriker, halt den Mund! Sei ruhig, was fällt dir ein, so rumzuschreien? Halt den Mund!" – Darauf ein Moment der Stille, und dann Bucerius in verbindlichem Ton: "Aber Herr Dr. Fischer, Herr Schulte-Hillen darf doch seine Meinung sagen." Das war Meinungsfreiheit!

Lesen Sie Erinnerungen an Gerd Bucerius von:
Helmut Schmidt, Alt-Bundeskanzler " Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius " Klaus von Dohnanyi, von 1981 bis 1988 Bürgermeister von Hamburg " Robert Leicht, ZEIT-Chefredakteur von 1992 bis 1997 " Liz und Reinhard Mohn, kontrollierende Gesellschafter der Bertelsmann AG "Zurück zum Artikel:
Der Mann, den wir "Buc" nannten.
Erinnerung an einen aufsässigen Verleger zu seinem 100. Geburtstag "

Lesen sie hier eine Rezension der Dokumentation über Gerd Bucerius , die die ARD am Donnerstag, dem 18. Mai um 23.15 Uhr und der NDR am dienstag, dem 23. Mai um 22.15 Uhr ausstrahlt.

Sehen Sie hier einen Nachruf auf Gerd Bucerius mit Kommentaren von Helmut Schmidt, Theo Sommer, Robert Leicht und der Gräfin Dönhoff.