Bischkek

Der Tod kam blitzschnell nach Andischan. Vor einem Jahr drängten sich in der Abendsonne des 13. Mai Tausende Bürger der usbekischen Provinzstadt um den Denkmalsockel des mongolischen Herrschers Babur. Die Menschen hörten freie Reden auf öffentlichen Plätzen, derartiges hatte es seit zehn Jahren im Reich des usbekischen Präsidenten Islam Karimow nicht mehr gegeben. Männer und Frauen beklagten sich über Korruption und Armut, forderten Gerechtigkeit und Freiheit. Karimow soll kommen und zuhören.

Er kam nicht, stattdessen schickte er Panzerwagen. Ohne vorherige Warnung schossen die aufsitzenden Soldaten wahllos mit Kalaschnikows in die Menge.

Nach dem ersten Angriff rannten die in Panik geratenen Usbeken über vermeintliche Fluchtwege in das Sperrfeuer schon wartender Einheiten. Wie viele Menschen an diesem Tag starben, ist bis heute unklar. Zeugen berichteten, dass am nächsten Tag in aller Frühe Lastwagen die Leichen aus der Stadt brachten. Die usbekische Regierung nennt 187 Todesopfer, die amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) und andere Beobachter gehen von bis zu 700 Erschossenen aus.

Trotz des Massakers vor einem Jahr klammert sich die deutsche Bundesregierung an den Luftwaffenstützpunkt im südusbekischen Termes, wo der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr koordiniert wird. Die deutsche Botschaft verteilt weiterhin Hilfsgüter an das usbekische Militär. Man muss im Dialog bleiben, heißt es in Berlin.

Schon vor dem blutigen Maifreitag vor einem Jahr drangsalierte Islam Karimow das Volk. Folter wird methodisch angewendet, sagte der UN-Emissär Theo van Boven. Die Machtelite und die Präsidentenfamilie machen sich den Reichtum des Landes zur Beute. Wer im Wege steht, wird ausgeschaltet. Vor Andischan gab es bereits genug Gründe gegen eine Bundeswehrbasis in Karimows Reich, nach dem Massaker ist klar: Für ihren Einsatz in Afghanistan hat sich die Bundeswehr mit einem mörderischen Regime eingelassen, das Instabilität und Terror verbreitet.

Das wird in der Rückschau auf die Ereignisse deutlich. In der Nacht vom 12.