DIE ZEIT: Herr Hauenschild, Sie beschäftigen sich bei Transparency International mit Korruption und Wirtschaftsethik. Ist es kriminell, wenn Politiker oder Wirtschaftsbosse WM-Freikarten annehmen?

Caspar von Hauenschild: Es ist gängige Praxis, dass sich Politiker privat zu solchen Sachen nicht einladen lassen. Die Tickets werden ja sehr teuer gehandelt. Bei Geschenken unter Wirtschaftsleuten ist es ein wenig anders: Da sollten die Beschenkten mit ihren Chefs Rücksprache halten, ob übliche "Kundenpflege" oder schon private Vorteilsannahme vorliegt. Hinzu kommt: Eine WM-Karte für ein paar hundert Euro wird wohl kein "geldwerter Vorteil" sein, aber eine Rückfrage beim Steuerberater schadet nie.

ZEIT: In Baden-Württemberg wird gegen den Chef des Energieunternehmens EnBW ermittelt, weil er Karten an Politiker verschenkt haben soll. Ist das schon Korruption?

Hauenschild: Es wird dann schwierig, wenn beschenkte Politiker zugleich in geschäftlichen Beziehungen zu den Unternehmen stehen. Da muss man genau hinsehen.

ZEIT: Manche Politiker müssen bei der WM ja auch den Staat repräsentieren – sollen auch sie für die Karten selbst bezahlen?

Hauenschild: Nein, solange ein Amtsträger bei einem Spiel eine Repräsentationsfunktion ausübt, soll der Staat für die Tickets aufkommen.

ZEIT: Und wenn sich der Bürgermeister des Heimatdorfes eines Nationalspielers im Stadion zeigen will?