Wenn aus Biedermännern Monster werden. In einem Plattenbau in Düsseldorf sitzt Polizeirat Andreas Morbach. Vor ihm ein Computer, in dem die Daten von Menschen gespeichert sind, welche die Polizei "Gewalttäter Sport" nennt. "Manchmal", sagt der Polizeirat, "zweifle ich schon am Geisteszustand der Menschheit. Viele leben die ganze Woche als biedere Leute – und kurz vor dem Spiel verwandeln sie sich in Monster." Dann klettern sie über Zäune, zerlegen Züge und Lokale, zünden Knallkörper oder spannen so gigantische Transparente über die Tribünen, sodass darunter Panik auszubrechen droht. "Am Sonntag danach", sagt Morbach, "sitzen die Leute dann wieder bei Kaffee und Kuchen."

Seit Anfang der neunziger Jahre sammelt ein kleines Team von Polizisten bei der Zentralen Informationsstelle Sportstätteneinsätze (ZIS) in Düsseldorf Wissenswertes über "problematisches Zuschauerverhalten". "Szenekundige Beamte", die Fans zu Spielen begleiten, liefern Informationen über Rowdys, die in speziellen Dateien erfasst werden. "Meist sind es sozial benachteiligte Menschen, die Anerkennung suchen", erklärt Morbach, "wir sehen aber auch die Erfolgreichen, die am Wochenende den Kick brauchen, sich mit anderen zu prügeln."

In Kürze wird die ZIS Kollegen aus dem Ausland begrüßen. Dann beginnt die letzte Aufwärmrunde für die WM. Morbach ist gelassen: "Bei einem normalen Bundesligaspiel gibt es oft mehr Zoff als bei einer WM. Doch nun blickt die ganze Welt auf uns." Gemeinsam mit 33 internationalen "Verbindungsbeamten" werden die ZIS-Leute täglich "internationale Lagebilder" erstellen. Auch kulturelle Unterschiede sind da zu beachten. "Manchmal glaubt man, ausländische Fans stehen kurz vor einer Schlägerei – in Wahrheit freuen sie sich nur", sagt Morbach. Es sind kleine Details, die bei der WM sofort registriert werden müssen. "Die Mützen zum Beispiel, wenn da provokante Symbole draufgestickt sind und wir wissen es nicht, kann eine Schlägerei drohen."

Ob und wo bei der WM randaliert wird? "Schwer zu sagen. Störer melden sich ja nicht an." In den Stadien selbst werden sich die Fans kaum prügeln. Gewaltbereite Hooligan-Gangs hatten ohnedies keinen Zugang zu den knappen und teuren WM-Tickets. Sie werden wohl draußen toben.

Am liebsten sind Morbach solche Rowdys, die zu Hause bleiben. "Wir besuchen notorische Gewalttäter in ihren Wohnungen und sagen ihnen: ›Hey, wir kennen dich persönlich! Wir wissen, wo du wohnst! Du wirst nicht in der Masse untergehen!‹" Wer dem Stadion nicht freiwillig fern bleibt, kann mit polizeilichen Betretungsverboten dazu gezwungen werden.