Die gute Nachricht zuerst: Es gibt einen neuen Internet-Boom, zumindest in Amerika. Die kalifornische Suchmaschinenfirma Google wächst derzeit so schnell, dass sie ihren Umsatz binnen eines Jahres fast verdoppelt und ihre Gewinne fast verdreifacht hat. Marktbeobachter an der Wall Street und in San Francisco reden von der "Next Economy", vom "Web 2.0" und stellen rosige Wachstumsvorhersagen für Internet-Firmen auf. Allein in Amerika gebe es schließlich schon viermal so viele Breitband-Internet-Nutzer wie beim Börsencrash des Jahres 2001, mehr als doppelt so viele Online-Verkäufe, fast doppelt so viel kostenpflichtige Online-Werbung, längere Verweildauern vor dem Bildschirm und so weiter. Kürzlich veröffentlichte das amerikanische Anlegermagazin Fortune eine Titelgeschichte über den "Boom im Netz" und hinterlegte das Heft ganz mit goldener Farbe.

Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht: Anlegern fällt es diesmal deutlich schwerer, an dem Boom mitzuverdienen. Wer vor zehn Jahren sein Geld in ein Portfolio gängiger Internet-Titel steckte, konnte binnen kurzer Zeit reich werden (wenn er das Geld kurz nach der Jahrtausendwende wieder abzog). Die jetzt heranwachsende Next Economy hat kaum weniger innovationsträchtige Unternehmen zu bieten als die New Economy von damals. Doch das Problem ist: Die meisten verkaufen keine Aktien.

Zu den Firmen, die im Augenblick für den meisten Gesprächsstoff im Silicon Valley sorgen, gehört YouTube aus San Mateo im Silicon Valley. Auf der Web-Seite des Unternehmens kann man selbst gedrehte Videos zeigen, sie verzeichnet täglich bereits mehr als sechs Millionen Zuschauer. Eine andere Firma ist Facebook, sie betreibt eine Kontaktseite für junge Leute. Das Unternehmen entstand 2005 als Projekt von fünf Studenten in Cambridge und wird jetzt von großen Medienfirmen wie Viacom umworben. Und es gibt Craigslist, das führende Schwarze Brett für Kleinanzeigen im amerikanischen Internet, dessen alleiniger Gründer Craig Newmark 2004 durch eine Beteiligung von eBay reich wurde.

Diese neuen Pionier-Unternehmen haben meist eines gemeinsam: Sie sind Neugründungen mit klaren, überschaubaren Ideen, die in bescheidenen Räumlichkeiten mit minimaler Ausstattung arbeiten. Sie leisten sich keine Armeen von Programmierern, sondern nutzen Standard-Software-Lösungen. Einigen reicht ein Startkapital von 25.000 Dollar. Das Geld kommt häufig vom Firmengründer selbst, seiner Familie oder freigiebigen privaten Investoren. Die Gründer achten darauf, dass sie schnell solide Gewinne abwerfen, statt Millionen zu verpulvern. Risikokapitalgeber oder gar Aktionäre in spe müssen so lange draußen bleiben, bis das Unternehmen längst erfolgreich ist.

So bleibt den meisten Investoren, die am neuen Internet-Boom teilhaben wollen, eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten: in der Hauptsache die großen, öffentlich notierten Überlebenden der vergangenen Ära des Internet-Booms. Allen voran die so genannten Internet-Giganten wie die Suchmaschine Google und der Online-Händler Amazon, das Auktionshaus eBay und das Portal Yahoo!; gefolgt von Unternehmen, die indirekt vom neuen Internet-Boom profitieren, etwa Softwarehäuser, Hardwarefabrikanten, auf das Internet spezialisierte Werber und einige Medienunternehmen.