Die Affäre um die niederländische Autorin und liberale Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali ist eine persönliche Tragödie und politische Farce zugleich. Bei ihrer seinerzeitigen Aufnahme als somalische Asylbewerberin habe sie, so enthüllte eine TV-Dokumentation, unwahre Angaben gemacht - was sie selbst freilich oft schon erzählt hat. Vor allem habe sie eine drohende Zwangsverheiratung erfunden - was sie bestreitet. Wie auch immer, nun wird die Autorin eines internationalen islamkritischen Bestsellers ausgebürgert.

Ihre enge persönliche Freundin und Bundesgenossin vom rechten Flügel der liberalen Regierungspartei VVD, Immigrationsministerin Rita Verdonk, ließ Hirsi Ali Anfang der Woche per Brief wissen, sie sei ab sofort keine Niederländerin mehr. Bisher ein Star, jetzt staatenlos.

Dabei hat die dunkelhäutige Einwanderin mit ihrer Kritik am Islam der radikalen Anti-Einwandererpolitik der Ministerin vortrefflich ins Konzept gepasst. Jetzt aber schnitzt Frau Verdonk, die sich um eine führende Position in ihrer Partei bewirbt, an ihrem Profil als Erbin des Populisten Fortuyn.

Der Fall Hirsi Ali kam ihr da gerade recht. Seht her, ich kenne keine Ausnahmen! Verdonks Schamlosigkeit passt zu dem unfassbaren Urteil eines Haager Richters, der einer Klage von Hirsi Alis Nachbarn stattgab, die sich durch die seit der Ermordung Theo van Goghs verschärften Sicherheitsvorkehrungen für die Politikerin beschwert fühlten: Sie müsse aus- und wegziehen.