Unter Oliven und Zypressen gehen wir auf dem Hochufer hin, unten gegen die Steilküste rollt die Messenische See. Im Frühling ist das überhelle griechische Licht noch milchig und wintermatt. Aber alles duftet und blüht. Vogelstimmen sind in der Luft, rasender Schwalbenflug, das Gebrumm torkelnder, lichttrunkener Hummeln, ein Hämmern und Klopfen – das Sehnen der Vorsaison. Wer jetzt ein Haus in Strandnähe hat, der streicht es frisch an und stellt die wackeligen Stühle heraus. Alles erwartet den Sommer.

Plötzlich ein Duft von Gras, frisch gemäht. Denn von irgendwoher kreischt ewig der antiidyllische Störsender des Südens; kein Radio diesmal, kein Mofa, es ist der Rasenmäher im Olivenhain. Wir gehen durch den Garten Mani, den gesegneten. Der Rauch der Feuer, in denen die Manioten die Reste des Winters verbrennen, bringt eine dunkle, scharfe Note hinein.

Nun stößt unser Pfad auf eine Feldsteinmauer. Hüfthoch beginnend, steigt sie an bis über unsere Köpfe und entzieht den Garten dahinter und eine Art Teehaus dem Blick. Nikos Ponireas, der uns führt, bleibt vor einer hohen, schmalen Doppeltür in der Mauer stehen und drückt die Klingel.

»Hier ist es.«

Hier also, hier lebt er. Gleich wird in dieser Tür der Mann erscheinen, der Bruce Chatwins Asche begrub, irgendwo in der Nähe, und uns hoffentlich hereinbitten. Ein Herr von 90 Jahren, der mit 18 aus London fortlief, alles hinter sich lassend. Familie, Freunde, sein ganzes früh ramponiertes Dasein als gefeuerter Eliteschüler und abgebrannter Bohemien samt geplanter Offizierskarriere an der Militärakademie Sandhurst – alles zurückgelassen, um zu Fuß nach Konstantinopel zu laufen.

»Ich war ein ungezogener Junge«, sagt er mit einem Lächeln

Quer durch Europa, diagonal durchs Deutsche Reich. So gut wie mittellos, als Student getarnt, um lästigen Fragen auszuweichen, aber auch der Not gehorchend: Der junge Patrick Leigh Fermor profitierte von der bis tief ins 20. Jahrhundert hinein noch intakten alten Gastfreundschaft gegen fahrende Scholaren. Vor Weihnachten 1933/34 zog er los. Seit einem knappen Jahr war Hitler Reichskanzler.