Siegesgewiss nähert sich die Volkspartei der Zielgerade. Die Herbstwahlen sind jetzt schon so gut wie gelaufen, zumindest signalisiert das die vor Selbstbewusstsein berstende Kanzlerpartei. Erstmals seit Jahren liegt sie in allen demoskopischen Befunden vor der SPÖ. Und die Claque, die sich ÖVP-Manager zu organisieren verstehen, ist beeindruckend: Die ORF-Spitze jubelt dem Bundeskanzler zu, wenn er vor handverlesenem Publikum seine pompös inszenierte Wahlkampfrede "zur Lage der Nation" hält. Ein starkes Zeichen und eine unverhohlene Botschaft an die Opposition, besser die Flinte ins Korn zu werfen: Seht her, und ergebt euch in euer Schicksal. Eine Allianz aus Kanzler und ORF-Generaldirektorin – wer sollte dagegen ankommen wollen?

Wolfgang Schüssel selbst schwebt über den Wolken. Journalistenfragen, die nicht genehm sind? Ignorieren. Unbequeme Fragen im Nationalrat? Herablassend abschmettern. Die Regierung hat längst herausgefunden, wie man parlamentarische Kontrolle vereitelt: Immer wenn die Opposition meint, nun endlich ihr Ziel erreicht und das Kabinett Schüssel zu Selbstkritik gezwungen zu haben – entwindet sich die Regierung mit brachialem Themenwechsel und zeigt die lange Nase. Die Tragikomödie rund um den Eurofighter-Vertrag ist da nur ein Beispiel von vielen.

Natürlich trägt die sozialdemokratische Opposition Mitschuld. Zu bestechend war die Vorlage, die das schamlose Team aus der Gewerkschaftsbank der Volkspartei zugespielt hat. Zu groß sind auch die Schwierigkeiten, die es nun der Opposition bereitet, eigene Themen zu setzen: Noch schlägt das Bawag-Desaster alle anderen Agenden aus dem Feld. Und wer sollte der ÖVP vorwerfen, den aufgelegten Elfmeter auch zu verwandeln?

Zu viel Selbstsicherheit kann jedoch kontraproduktiv sein. Die ÖVP hat nämlich ein strukturelles Problem, das ihr zu schaffen macht. Und das ist – Rauch-Kallat, Gehrer, Plassnik und Prokop zum Trotz – der latente Machismo der Konservativen. Er verstört Frauen. Gemessen am Wahlverhalten, verfügt die Volkspartei in der weiblichen Bevölkerung über den geringeren Rückhalt. Dass die Freiheitlichen Frauen noch weniger ansprechen können, ist nur ein schwacher Trost für schwarze Strategen.

Frauen wählen überproportional links. Hätten sie es irgendwie geschafft, vor der Nationalratswahl 2002 den Männern das Wahlrecht abzuerkennen – Alfred Gusenbauer wäre wohl schon seit bald vier Jahren Bundeskanzler. Denn von 100 Frauen wählten, wie die verlässlichen Umfragen des Meinungsforschungsinstitutes Fessel zeigen, 40 SPÖ und 10 Die Grünen; ÖVP (40) und FPÖ (8) hätten sich wohl auf der Oppositionsbank gefunden. Die entsprechenden Zahlen für Männer: Von 100 Wählern gaben 44 der ÖVP, 32 der SPÖ, 12 der FPÖ und 7 den Grünen ihre Stimme.

Dieses Verteilungsmuster ist seit mehr als drei Jahrzehnten stabil: Während die Kanzler Bruno Kreisky und Franz Vranitzky (und erst recht die Grünen Freda Meissner-Blau und Madeleine Petrovic) stärker Frauen ansprachen, waren und sind die ÖVP-Obmänner Alois Mock und Schüssel, und noch viel stärker Jörg Haider, vor allem im männlichen Milieu beheimatet.

Da aber männliche Stimmen ebenso viel wiegen wie weibliche, könnte die ÖVP die Botschaft umdrehen: Seht her, wir sind bei Männern eben viel erfolgreicher als die Linken. Mann ist eben rechts; und rechts ist hart. Frau aber steht links, und links ist soft.