Java ist ein Kind der Unruhe. Vulkane haben das zweitgrößte Eiland Indonesiens geschaffen; es zählt 38 Feuerberge, einige erloschen, andere aktiv. Aus dem Weltall betrachtet, sehen die Nachbarinseln Java (im Bild) und Sumatra aus wie ein Bumerang – sie bilden exakt die Form der im Untergund abtauchenden Erdplatte nach. Dort, in der Knautschzone zweier Platten des irdischen Mantels , liegt die Ursache für das stete Risiko, dem die Menschen auf Java ausgesetzt sind. Am 27. Mai dieses Jahres bebte um 5.54 Uhr die Erde mit einer Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala – mehr als 5.000 Menschen starben. An Weihnachten 2004 ereignete sich vor der Küste Sumatras jenes gigantische Seebeben, das einen verheerenden Tsunami auslöste.

Man muss in der Erdgeschichte 140 Millionen Jahre zurückgehen, um zu verstehen, was die Region so häufig erschüttern lässt. Auf der irdischen Südhalbkugel brach damals der Urkontinent Gondwana auseinander. Ein Bruchstück bewegt sich seither nach Norden: die Indisch-Australische Platte. Sie kollidierte mit Eurasien. Als Folge dieses Crashs türmt sich seit 20 Millionen Jahren der Himalaya auf.

In der Zone entlang der indonesischen Inseln sehen die Folgen anders aus. Dort schiebt sich die ozeanische Gesteinskruste mit einer Geschwindigkeit von sechs Zentimetern pro Jahr knirschend unter den Kontinent. Immer wieder verhaken sich in dieser Subduktionszone die Platten ineinander – Energie wird aufgestaut. Ruckartig löst sich die Blockade auf, und innerhalb von Sekundenbruchteilen werden Milliarden Tonnen Gestein mehrere Meter weit gegeneinander verschoben. Im Dezember 2004 senkte sich der Untergrund auf einer Strecke von rund tausend Kilometern blitzartig um zehn Meter. Das darüber liegende Wasser folgte schwappend der Bewegung, die Flutwelle war unterwegs.

Das jüngste schwere Beben, dessen Epizentrum 40 Kilometer südlich der Stadt Yogyakarta lag, war genauso eine Folge des plattentektonischen Geknirschs im Untergrund wie sämtliche Verheerungen des gefährlichsten Vulkans in der Region, des Merapi. Dieser droht seit Wochen auszubrechen, und nach dem Erdbeben am Sonntag spuckte er – so, als schickte er eine neuerliche Drohung – umgehend eine dreieinhalb Kilometer hohe Gas- und Aschewolke in den Himmel.

Der prekäre Untergrund, auf dem die fruchtbaren und daher bevölkerungsreichen Inseln liegen, machen Indonesien zu einem der wenigen Staaten, in denen die größte Gefahr nicht von Wetterkapriolen sondern von geologisch verursachten Naturkatastrophen ausgeht. Nach den Zahlen einer umfassenden Datenbank der UN waren Unwetter und Dürren die Ursache für drei Viertel aller in den vergangenen einhundert Jahren weltweit registrierten Naturkatastrophen. Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche machten dagegen zusammen nur elf Prozent aus.