Waltrop

Ginge es nach den Waltropern, man würde mit dem Namen ihrer Stadt das historische Schiffshebewerk Henrichenburg oder den Sitz von Manufactum in der Alten Zeche Waltrop verbinden. Aber es geht nicht mehr nach den Waltropern, vielleicht nie mehr. Denn die Stadt im nördlichen Ruhrgebiet mit ihren 30 000 Einwohnern gilt als die am höchsten verschuldete Kommune in Nordrhein-Westfalen. Nun muss sie sich einer bislang einzigartigen Methode der Kommunalaufsicht unterwerfen. Die zuständige Bezirksregierung in Münster setzte der Bürgermeisterin der Stadt einen "beratenden Sparkommissar" an die Seite.

Nicht dass die Stadt sich beklagen könnte. Jahrelang hatte die CDU-geführte Verwaltung frisierte Haushaltspläne vorgelegt. Sie kündigte lukrative Grundstücksverkäufe an, die von vornherein unrealistisch waren und versteckte Ausgaben in undurchschaubaren Pauschalbeträgen. " Das war ein riesiges Durcheinander", sagt Wilhelm Niemann, der neu eingesetzte Sparkommissar der Stadt. Die meisten Ratsmitglieder hätten nicht verstanden, was da vor sich ging.

Auch Niemann gehört der CDU an. Er ist Jurist, bis 2004 war er Bürgermeister im westfälischen Rheine. Auf Grund seiner Leibesfülle und seines freundlichen Lachens wirkt er gemütlich, doch wenn er über die hohe Verschuldung redet, verschwindet dieser Eindruck, er ist zornig: "Die Schulden wachsen immer weiter, und ich wundere mich, dass die Jugend nicht auf die Barrikaden geht."

Lokalpolitiker, sagt Niemann, empfänden sich als Kümmerer des Volkes, doch jetzt müssten sie harte Sparmaßnahmen beschließen und diese den Bürgern erklären. Gern zeigt der Sparkommissar seine Rotstiftsammlung vor.

Bitter ist es für die Waltroper, dass ihnen ausgerechnet eine Initiative für mehr Ehrlichkeit und Realismus in der Haushaltsplanung den Finanzaufseher ins Haus brachte. Bei ihrem Amtsantritt Ende 2004 hatte sich die neu gewählte SPD-Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe vorgenommen, mehr Transparenz in die Stadtfinanzen zu bringen. Als Ratsmitglied hatte die Pädagogin schon lange das Gefühl, dass etwas schief läuft - als Bürgermeisterin wollte sie Gewissheit haben. Sie wies ihren neuen Kämmerer an, auf Taschenspielertricks zu verzichten. Das erschreckende Resultat: Nur etwa die Hälfte der laufenden Ausgaben im Verwaltungshaushalt ist durch Einnahmen finanzierbar, der Rest muss durch neue Kredite bezahlt werden. Derzeit hat Waltrop Verbindlichkeiten von insgesamt 120 Millionen Euro, sie kosten täglich 9000 Euro Zinsen.

Für einen Kredit trickste die Stadt die Kommunalaufsicht aus