Gäbe es nicht Armut, Verblendung und Unwissenheit auf der Welt, könnte man jetzt jubeln. Denn demnächst werden die Mediziner die Hauptursache für eines der verbreitetsten Krebsleiden praktisch abschaffen können: Am Gebärmutterhalskrebs, dem Cervixkarzinom, sterben jedes Jahr weltweit mehr als 200000 Frauen, 15000 sind es allein in Europa.

In praktisch allen Fällen wird der Gebärmutterhalskrebs durch chronische Infektionen mit einer Reihe so genannter humaner Papillomaviren (HPV) ausgelöst. Übertragen werden die Erreger beim Geschlechtsverkehr. Mit dem Sterben an dieser Krankheit könnte bald Schluss sein. Zwei Pharmaunternehmen – GlaxoSmithKline sowie Merck & Co – haben nun je einen Impfstoff gegen die Papillomaviren 16 und 18 entwickelt, die für 70 Prozent aller Gebärmutterhalstumoren verantwortlich sind.

Die Impfstoffe sollen in Kürze von den Aufsichtsbehörden zugelassen werden, sie schützen zu 100 Prozent gegen HPV 16 und 18, und vielleicht sogar gegen einige andere gefährliche HPV-Typen. Falls nicht, ließe sich mit einer ähnlichen Impfung wohl auch der Rest der krebsauslösenden Viren bezwingen. Bei konsequentem Handeln, so scheint es, könnte die Menschheit erstmals in ihrer Geschichte einen Krebs vollständig besiegen.

Leider wird das vorerst ein schöner Traum bleiben. Weil die Impfung nur gegen eine Ansteckung mit den Viren schützt, aber nichts gegen eine bestehende Infektion ausrichtet, impft man am besten alle Mädchen (und auch die Jungen), bevor sie sexuell aktiv werden. Schon jetzt aber ziehen christliche Konservative in den USA gegen eine mögliche Pflichtimpfung zu Felde. Ihr Argument: Die Impfung gegen eine sexuell übertragbare Erkrankung fördere den vorehelichen Geschlechtsverkehr und untergrabe ihre Abstinenzprogramme.

Vorbehalte gibt es auch in den Entwicklungsländern. Doch hier steht dem Segen einer HPV-Vakzine weniger die Moral als vielmehr die Armut entgegen. Eine Impfdosis wird etwa 300 Euro kosten. Selbst für das reiche Deutschland dürften die Milliardenkosten einer Impfung aller jungen Frauen schwer zu schultern sein. Für die Länder der Dritten Welt ist eine Impfkampagne illusorisch. Doch dort, in Afrika und Asien, sterben 90 Prozent der Opfer des Cervixkarzinoms. Bleibt die bittere Erkenntnis: Die Nebenwirkungen von Armut und Ideologie können tödlich sein.