Lesen soll ja bilden, manchmal macht es sogar betroffen, nämlich dann, wenn ich meine Heimatstadt Offenburg von Ihnen kurzerhand ins Schwabenländle verlegt sehe. Ja, ja, wir Baden-Württemberger können bekanntlich "alles außer Hochdeutsch", doch da gibts überdies kleine, aber gewichtige Unterschiede: Ein weiterer (Un-)Sinnspruch, der eher der hiesigen Volksstimme entstammt als der in Schwaben ansässigen Landesadministration, besagt, dass "Schwobe schaffe un Badener dänge".

Wie sonst ist zu erklären, dass ich die ZEIT lese, damit befugt bin, in ganzen Sätzen angesprochen zu werden und auch noch in der Lage bin, diese sinnstiftenden Zeilen zu verfassen? Das geht nur mit Grips und straffem Zeitmanagement. Und noch ein Tipp, falls Ihnen meine Heimat in Ihrer weiteren journalistischen Laufbahn noch einmal begegnen sollte: Ich bin Badener und kein Badenser.

Wir haben bereits 1848 hier in Offenburg unsere aufwieglerischen Qualitäten unter Beweis gestellt und als die Ersten in unserem Land "Revolution" gebrüllt. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn wir uns, die wir ansonsten als friedliche und gemütliche Gesellen gelten, wiederholt von hellen Nordlichtern hinters Licht geführt sehen. Wieder Aufstand? Nein, wir sind ja ein Volk von Denkern (siehe oben), und "was ma net im Kopf het, het ma in de Füß". Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ma im Kopf het, was ma net in de Füß het. Soll heißen: Massive Einbrüche Ihrer Auflage westlich der Alp, äh, Alb natürlich, wenn sich ein ganzer Volksstamm verschwört, um den donnerstäglichen Weg zum Zeitungskiosk zu verweigern. Alles klar?

Es grüßt euch Ostfriesen da oben hochachtungsvoll

Stefan Krastel, Offenburg