Der Kaiser trug Blaufrack mit Schößen, dazu lichtgraue Hosen, Stiefel der bequemen Sorte und Filzhut. So sah man den großen Franz I. durch Schönbrunn stiefeln, mal band er eine Ranke hoch, streifte die Würmlein von den Rosen, begab sich ins Glashaus zum Pikieren. Ein Regent mit grüner Passion! Seine Gärtner scheuchte er in die Welt hinaus zur Blumenjagd, und damit die Trouvaillen nicht Opfer des gemeinen Werdens und Vergehens würden, beauftragte er den großartigsten botanischen Maler, Mathias Schnutzer, sie zu verewigen.

Zwischen 1795 und 1825 entstanden 1307 Blätter. Wasser- und Deckfarben. Rahmen aus Gold. Und innerhalb dieser Rahmen, wie auf einer großen leeren Bühne, spreizen und kringeln, wehen und neigen, fließen, strotzen Zweige und Blätter, Blüten, Ranken in übermütiger arabesker Kunst. Nun sind 120 dieser Tafeln auch dem gemeinen Buchkäufer zugänglich, gebunden in einer kostbaren Ausgabe des Prestl Verlags, verpackt mit etwas weitschweifig geratenen Artikeln, letztlich aber: ein Kunstwerk der Natur. (H. Walter Lack: Florilegium Imperiale. Botanische Schätze für Kaiser Franz I. von Österreich - mit einem Essay von Marina Heilmeyer - Prestel Verlag, München 2006 - 304 S., 145, , Wer Gartenhistorie liebt, braucht im Übrigen die wunderbare Bibliographie der vor 1750 erschienenen Gartenbücher - Hrsg.

Clemens A. Wimmer - Verlag Dr. Alfons Uhl, Nördlingen, 700 Titelaufnahmen, 150 Abbildungen alter Gartenornamente - 278 S, 98, , hat sie aber vielleicht längst.)

Dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt. In den Wiener Gärten von Franz kann man sich verlieren, was aber tut man mit dem grünen Handtuch hinter dem Reihenhaus? Großartige Ideen dazu findet der Bürger bei dem Engländer George Carter, Goldmedaillengewinner der Chelsea Flower Show (George Carter: Neue Ideen für winzige Gärten - Fotos von Marianne Majerus, Deutsche Verlagsanstalt, München 2006 - 176 S., 34,90 ). Die Gestaltung kleinster Höfe, die Anlage von Sichtachsen, wo es keine Weite zu geben schien, die Strukturierung von Begrenzung, all das ist wundervoll anzusehen, wirkt aber praktisch. Geradewegs in die Zukunft leuchtet ein Band, in dem Gräser illuminiert, Skulpturen konturiert, alle Dinge verzaubert werden (Michèle Osborne: Lichtdesign für den Garten - Fotos Steven Wooster - Aus dem Englischen von Lizzie Gilbert - Knesebeck Verlag, München 2006 - 176 S., 34,95 ) . So muss es einst bei den alten Gartenfesten gewesen sein, wenn ein Ludwig oder Franz einlud und das ganze Volk kam.