Wäre der Inhalt des Gesetzes so beeindruckend wie sein Name, dann wäre schon viel gewonnen. Verbraucherinformationsgesetz heißt das neueste Projekt aus dem Agrarministerium von Horst Seehofer. Es solle, so der Minister, den Konsumenten Einblicke in die Produktion von Lebensmitteln ermöglichen. Damit das Vertrauen wieder aufgebaut wird, das durch zahlreiche Gammelfleisch-Skandale beschädigt wurde.

Vertrauensbildung ist überfällig. In der Einleitung des Gesetzesentwurfs steht, dass die Zahl der aufgedeckten Fälle "allein in 2005 höher als in den vergangenen zehn Jahren" gewesen sei. Doch so sehr die Notwendigkeit der Information anerkannt und die Bedeutung des aufgeklärten Verbrauchers gepriesen wird, so mutlos ist der Entwurf im Konkreten.

Es fängt schon damit an, dass Verbraucher lediglich bei Behörden um Auskunft bitten können – nicht bei Unternehmen. Bis zur Antwort vergehen oft Monate, zudem existieren rund zwei Dutzend Ausnahmen, in denen eine Information doch geheim gehalten werden darf. Sind etwa Unternehmen und ihre Produktionsmethoden betroffen, so gilt praktisch alles, was nicht illegal ist, als Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis – und ist damit tabu.

Dabei gäbe es selbst im Rahmen des gesetzlich Erlaubten einiges, für das sich Verbraucher interessieren dürften – etwa die Art und Menge der eingesetzen Schädlingsgifte bei der Obstproduktion. Auch wenn die Schweine eines Wurstfabrikanten überdurchschnittlich oft mit Salmonellen infiziert sind, muss dort nichts Illegales geschehen sein. Trotzdem wüsste man es vielleicht gern, bevor man am Wochenende den Grill anheizt.

Nur teilweise nachzuvollziehen ist das Gejammer der Industrie über eine ausufernde Bürokratie. Zugegeben: Ein Fleischproduzent, der ins Visier fanatischer Tierschützer gerät, wird vermutlich nichts zu lachen haben, wenn die ihn aus ideologischen Motiven mit Anfragen überschütten. Zu einer Waffe für Böswillige darf ein solcher Auskunftsanspruch nicht werden. Gleichwohl zieht das Argument der Industrie nicht, die Erhebung der Daten sei zu aufwändig.