Etwas mehr als dreißig Kilometer nordwestlich von Venedig, auf einem der Hügel, die sich wie hohe grüne Wellen zwischen den Flüssen Brenta und Piave erheben, ruht Asolo. Umrahmt von den Stadtmauern, schmiegen sich die Häuser an den Hang, braunrot leuchten die Ziegeldächer in der Sonne. Mild ist das Klima, gerühmt sind der Wein und die Oliven, auch die Granatäpfel der Gegend. Ganz oben auf dem Hügel thront die Ruine einer Burg. Es ist ein besonderer Ort. Denn von hier aus regierte vor 500 Jahren eine legendäre Fürstin ihr kleines Reich: Caterina Cornaro. 1472 wurde die venezianische Kaufmannstochter Caterina Cornaro von ihrem ehrgeizigen Vater an den König von Zypern verheiratet. Zu wahrer Größe gelangte Caterina aber erst viele Jahre später - Asolo. Gemälde von Hans Makart, 1872. BILD

Dichter haben sie besungen, Maler sie verklärt. Ihr Schicksal ist zum Mythos geworden. Nicht minder das Leben an ihrem Hof. »Tag für Tag verbrachte man mit Musik, Gesang, Tanz und prächtigen Gelagen«, pries der Dichter Pietro Bembo 1505 in seinen Liebesdialogen, den Asolaner Gesprächen, die sommerlichen Festwochen, die er als Gast hier erlebte, bei der Königin von Zypern.

1454 war Caterina Cornaro in Venedig zur Welt gekommen. Sie stammte aus reichem Patrizierhaus. In der Klosterschule in Padua bereitete sich das Mädchen gemeinsam mit gleichaltrigen Freundinnen auf ein Leben als Nonne vor. Doch Caterinas weltlich orientierter Vater hatte seiner Tochter eine andere Aufgabe zugedacht: Sie sollte, das war der ehrgeizige Vatertraum, Fürstin werden.

Caterinas Mann und Sohn sterben auf rätselhafte Weise

Auch das Land, das sie regieren sollte, hatte er bereits fest im Blick: die Insel Zypern. Dort besaß Marco Cornaro Zuckerrohrplantagen, und da er seit langem Freundschaft mit dem zypriotischen Herrscherhaus (aus dem südfranzösischen Kreuzrittergeschlecht der Lusignan) geschlossen hatte, gelang dem gewitzten Venezianer der Coup seines Lebens. Er überzeugte den 25-jährigen König Jakob II. davon, dass die 14-jährige Caterina genau die richtige Frau für ihn sei.

In Venedig, der mächtigen Stadtrepublik, deren Kaufleute im Wettstreit mit der großen Konkurrentin Genua schon lange ihre Hand nach der Insel ausgestreckt hielten, war die Freude groß. Am 30. Juli 1468 legten beim Markusplatz vier vergoldete Galeeren an. Sie geleiteten den zypriotischen Gesandten, der den Ehevertrag zwischen seinem König und Caterina besiegeln sollte. Als er die junge Schöne sah, das goldfarbene Kleid, die dunklen Augen, das schulterlange blonde Haar, zweifelte er nicht daran, dass sein Herr an dieser Verlobten Gefallen finden würde. In einer feierlichen Zeremonie im Dogenpalast steckte der Emissär der jugendlichen Braut einen schweren Ring mit dem Königswappen an den Finger. Caterina durfte sich nun als Verlobte des Königs von Zypern betrachten. Ihren zukünftigen Ehemann hatte sie allerdings noch nie gesehen.

Auch in den folgenden Monaten ließ sich der Bräutigam nicht in Venedig blicken. Erst nach fast einem Jahr trafen Nachrichten über Jakob in Venedig ein, die für Caterina jedoch alles andere als ermutigend waren. Der junge Mann hatte inzwischen weiteren Damen aus wohlhabenden Häusern, in Rom und Neapel, Verlobungsanträge machen lassen. Caterina Cornaro fühlte sich gedemütigt, und ihr besorgter Vater sah seine Zukunftspläne in Gefahr.