In Deutschland ist der Anteil der Kaiserschnitt-Entbindungen in den vergangenen zehn Jahren von 17 auf 27 Prozent gestiegen. Steckt ein Modetrend dahinter, wie oft vermutet wird?Per Kaiserschnitt geborenes Mädchen in der Kölner Universitäts-Frauenklinik BILD

Wir haben in einer Studie 1339 Frauen befragt, die 2004 per Kaiserschnitt entbunden haben. Nur bei zwei Prozent könnte man vielleicht von einem Wunschkaiserschnitt sprechen, weil keine medizinische Indikation vorlag, sondern bessere Planbarkeit, die Vermeidung von Geburtsschmerzen oder Ähnliches im Vordergrund standen. Fast alle Frauen waren der Meinung, dass Kinder möglichst auf natürlichem Weg zur Welt kommen sollten.

Warum nehmen die Kaiserschnitte trotzdem stark zu?

Es gibt ein zunehmend defensives Verhalten in der Geburtshilfe. Die Ärzte sagen sich: Es ist noch niemand dafür verklagt worden, dass er einen Kaiserschnitt gemacht hat, aber viele dafür, dass sie einen Kaiserschnitt nicht gemacht haben und ein Kind mit Schaden auf die Welt kam. Sobald es irgendein Risiko zu geben scheint, wird heute ein Kaiserschnitt gemacht. Und sobald ein Arzt das Wort Risiko nur in den Mund nimmt, sind Frauen sehr schnell bereit, einem Kaiserschnitt zuzustimmen.

Obwohl das Risiko bei einem Kaiserschnitt noch immer höher ist als bei einer normalen Geburt?

Das stimmt, aber die Risiken sind insgesamt niedrig. Es gibt inzwischen sogar den Begriff »sanfter Kaiserschnitt«. Das ist eine Operationstechnik, bei der der Bauch nicht geschnitten, sondern aufgerissen wird, weil die Narben dann schneller heilen. Das ist tatsächlich eine ziemlich brutale Angelegenheit, aber der Begriff erweckt den Eindruck, die Operation sei ein Spaziergang. Frauen, die es erlebt haben, fühlen sich schlecht aufgeklärt. Im Nachhinein sagen viele, der Arzt habe ihnen zu schnell den Kaiserschnitt empfohlen.

Hebammen werden nicht konsultiert?