Wer die Gier der Sammler auf der jüngsten Kunstmesse Art Basel beobachtet hat und die aktuellen Auktionsergebnisse verfolgt, dem könnten die hohen Preise für moderne und zeitgenössische Kunst leicht zu Kopf steigen. Atemberaubend schnell wird derzeit gekauft – und für immer größere Summen wechseln die Werke ihre Besitzer. Neue, finanzkräftige Käufer streben nach Prestige in einer Sammlerschicht, die sich Gemälde zu jedem Preis leisten kann.

Fast 89 Millionen Pfund setzte Sotheby’s vorige Woche für gerade mal 56 Werke um, bei Christie’s waren es 87 Millionen Pfund für 90 Lose. Und auf der Art Basel begegneten manche Sammler jenen Werken wieder, die sie vor wenigen Jahren verkauft hatten – nur dass sie jetzt das Vier- bis Fünffache kosteten. Wo so viel Geld investiert wird, ist die Spekulation nicht weit. Um daran teilzuhaben, muss man Kunstwerke nicht einmal mögen. Es genügt, einschlägige Namen und Preise zu kennen.

Mit Künstlern wie Jean-Michel Basquiat, Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger und Gerhard Richter handelt die Hamburger Art Estate AG. Etwa 20 dieser »Blue Chips« will sie nach eigener Auskunft erworben haben – in zweistelliger Millionenhöhe. Nun ist die AG auf der Suche nach 500 bis 1000 Zeichnern für einen geschlossenen Kunstfonds. »Das ist eine fast risikolose Anlage«, sagt der Vorstand Bernd Salomon. »Ab 10000 Euro aufwärts kann man Anteile erwerben.«

In zwei Wochen will die Art Estate AG ihren Firmensitz in Hamburg beziehen. Auf 1000 Quadratmetern können die Zeichner des Fonds dann die Werke besichtigen, die ihnen in sieben bis zehn Jahren viel Rendite einbringen sollen. Lust auf die Investition soll eine rund 60-seitige Studie machen: Contemporary Art – eine Assetklasse zur Portfoliodiversifikation lautet ihr Titel, sie wurde von der Art Estate AG in Auftrag gegeben und vom F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformation erstellt. Ausgeschmückt wurde die Studie mit Künstlerporträts und Abbildungen von Werken, die jedoch nicht in allen Fällen von der Art Estate angekauft wurden. Weiter gibt es Kurven und Statistiken über die Preisentwicklung zeitgenössischer Kunst, Fotos und Zitate prominenter Kunstsammler und Berater. »Der gute Sammler sammelt mit den Augen, der schlechte mit den Ohren«, sagt dort Peter Raue, der Vorsitzende der Freunde der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Ob der »gute Sammler« auch mittels eines Kunstfonds sammelt, dazu sagt Raue nichts.

Der Verfasser der Studie, Eric Czotscher, sagt: »Je breiter man investiert, desto kleiner ist das Risiko.« Fünf bis zehn Prozent Kunst empfiehlt er für ein Portfolio. In den USA soll sich das für Hedge-Fonds bereits eingebürgert haben. Kenner der Szene verweisen auf etwa sechs Händler, die in New York für derartig hoch spekulative Fonds Kunstwerke kaufen.

Wem genau aber vertraut der Anteilseigner des Kunstfonds bei Art Estate sein Geld an? Die Art Estate AG ist eine hundertprozentige Tochter der EECH Group AG, ebenfalls in Hamburg ansässig und in Frankfurt an der Börse notiert. Sie investiert unter anderem in Windenergie und Immobilien. Die Art Estate AG, so Bernd Salomon, operiere auf mehreren Ebenen: Einmal sei da der Fonds für ein breites Publikum, dann der Einzelhandel mit drei Galerien namens Vonderbank in Berlin, Hamburg und Frankfurt, und der Großhandel in Kooperation mit internationalen Galerien. Die Verflechtungen und Besitzverhältnisse sind nur schwer durchschaubar.

»Mit Künstlernamen allein kann man kein seriöses Geschäftsmodell aufbauen«, sagt Gerhard Pfennig, der Vorsitzende der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst. In den vergangenen zehn Jahren habe es keinen nachweisbar erfolgreichen Kunstfonds gegeben. Dafür sei der Kunstmarkt mit seinen wechselnden Vorlieben viel zu schwankend. Im Jahr 2000 mottete die damalige DG-Bank ihr Anlagemodell mit mehr als hundert Gemälden der Klassischen Moderne ein, gab ihn später zur Auktion. Für den Global Art Fund hatten sich nicht genügend Anleger gefunden, die Anteilszeichner wurden ausgezahlt. Auch die Dresdner Bank, die ihre Kunden in Kunstdingen berät, nahm von einem Kunstfonds Abstand.