Die Nachfrage nach Ferienimmobilien hat den spanischen Boom auf dem Wohnungsmarkt im vergangenen Jahrzehnt stark angetrieben. »Angeheizt wurde der Markt von Ausländern, die hier mit Immobilien spekulierten oder für sich ein Ferienhaus am Meer gekauft haben«, sagt Anton Checa vom Institut de Tecnologia de la Construcció.

400.000 neue Häuser und Wohnungen wurden an der iberischen Küste seit 1998 im Durchschnitt pro Jahr gebaut, rund 100.000 davon wurden von Ausländern gekauft. Lange Zeit waren die kaufkräftigen Deutschen die größten Investoren. Zuletzt sank ihr Anteil jedoch parallel zur zurückgehenden Zahl deutscher Urlauber in Spanien. Teilweise ersetzten Briten sie als Käufer, sind sie doch auch wegen des günstigen Wechselkurses inzwischen mit Abstand die größten Spanien-Fans.

Doch auch die Briten greifen angesichts der hohen Preise nicht mehr überall zu. So zum Beispiel an der Costa del Sol rund um Marbella, wo der Quadratmeterpreis ins Astronomische gestiegen ist und »Korruptionsskandale und die Ansiedlung von Mafia das Klima verdorben haben«, wie Manuel Romera von der spanischen Business-Schule Instituto de Empresa sagt. Die britische Zeitung Sunday Times berichtete erst kürzlich, dass immer mehr Landsleute ihre Wohnung dort verkaufen wollten, sie aber nicht mehr zum Kaufpreis loswürden. »Auch insgesamt lässt die nordeuropäische Nachfrage nach spanischen Ferienimmobilien wegen der teilweise sehr hohen Preise nach«, sagt Stefan Meyer, Rechtsanwalt in Madrid.

Unverändert indes ist Spanien für die Deutschen immer noch eines der liebsten Auswanderungsländer. Gemäß der deutschen Botschaft in Madrid sind rund 500.000 Deutsche in Spanien gemeldet, weitere 300.000, schätzt man, verbringen einen Großteil des Jahres im sonnigen Süden, ohne gemeldet zu sein. Andere Quellen gehen sogar von einer Million aus. Die größte Konzentration von Deutschen findet man nach wie vor auf den Balearen, vor allem auf Mallorca. Rund 20.000 sind dort gemeldet. Gemäß des deutschen Konsulats vor Ort leben aber dreimal so viele zeitweise oder dauerhaft auf der Insel. »Nach ein paar harten Jahren für die hiesigen Makler und Hoteliers steigt wieder das deutsche Interesse an der Insel«, sagt Nikolaus Nowak, Chefredakteur der deutschsprachigen Mallorca Zeitung. Deutsche Wahlspanier trifft man aber auch en masse an der Costa Blanca, rund um Alicante und an der noch südlicher gelegenen Costa del Sol. Wesentlich weniger, aber immer noch einige Tausende leben und arbeiten an der Costa Brava rund um Barcelona. scm